Was beim Umgang mit Bildschirmmedien in Schulen falsch läuft – und wie es besser geht.
Digitale Medien sind aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht wegzudenken. Demnach sei es sinnvoll, sie auch im Unterricht an den Schulen einzusetzen, sagt Florian Buschmann. Der Experte und Berater für Medienkompetenz und Prävention von Mediensucht fordert dafür jedoch klare Leitlinien und eine gezielte Fortbildung für Lehrkräfte.
Buschmann kennt die Situation aus seiner Beratungs-Praxis. Mit der von ihm gegründeten Initiative OFFLINE Helden führte er bereits über 1.500 Veranstaltungen mit mehr als 50.000 Teilnehmern an Schulen durch. Seine dabei gesammelten Erfahrungen bestätigen, was aktuelle Studien zeigen: Werden digitale Technologien mehr oder weniger unreflektiert und exzessiv eingesetzt, kann das die kognitive Entwicklung, die Lernleistung und die Fähigkeit zur sozialen Interaktion von Schülerinnen und Schülern beeinträchtigen – insbesondere bei den jüngeren Kindern.
Eine Studie der OECD beispielweise belegt eine negative Korrelation der Computernutzung in Schulen mit den PISA-Ergebnissen, vor allem in Mathematik und im Lesen. Danach wirken sich digitale Ablenkung und Multitasking ungünstig auf Lernprozesse aus. In Schweden stellte man fest. Dass Schüler mit eigenem Laptop in der Schule schlechter abschneiden als solche in Gruppen ohne digitale Vollausstattung. Auffällig ist das insbesondere bei Kindern aus Hauhalten mit niedrigem Bildungsgrad, was gegen mehr Chancengleichheit durch Digitalisierung spricht.
Gehirn von Kindern noch im Aufbau
Für Buschmann sind diese Ergebnisse alles andere als überraschend. Der Psychologe (B.A.) verweist auf den Aufbau vieler Funktionen des Gehirns, der erst im frühen Erwachsenenalter abgeschlossen werde. Als Beispiele nennt der Experte Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit und warnt: „Sind permanent digitale Geräte wie Handys verfügbar, behindert das diese Prozesse.“ Daher unterstützt Buschmann die UNSECO-Leitlinien von 2023, nach denen die Bildschirmzeit im Schulunterricht auf maximal 75 Minuten täglich begrenzt werden sollte. In diesem Zeitfenster würden digitale Kompetenzen ausreichend, zielführend und projektbasiert vermittelt werden können.
Um Kinder und Jugendliche effektiv zu schützen, reicht nach Überzeugung Buschmanns das Engagement Einzelner nicht aus. Er fordert daher Präventionsstrukturen in allen Bundesländern, die in den Bildungsplänen verankert werden. In diesem müssen regelmäßige Einheiten zur Aufklärung in Sachen Medienkompetenz und Mediensucht, eine psychosoziale Begleitung überlasteter Kinder und der Aufbau von Netzwerken zum Schutz in der digitalen Welt enthalten sein. Außerdem seien Fortbildungsangebote für Lehrkräfte zur pädagogisch sinnvollen Mediennutzung nötig.
Genügend Geld für digitale Bildung bereitstellen
Selbstverständlich gebe es all diese Maßnahmen nicht zum Nulltarif. Buschmann appelliert deshalb an die Verantwortlichen, ausreichende Finanzmittel für eine nachhaltige digitale Bildung bereitzustellen – nicht nur für die entsprechende Technik, sondern eben auch für die Begleitung von Kindern und Lehrer, die Evaluation und die Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Gefragt nach konkreten Handlungsempfehlungen nennt Buschmann:
- Entwicklung von Leitlinien zum Einsatz digitaler Geräte im Schulunterricht (nach wissenschaftlichen Standards).
- Bildschirmzeit klar begrenzen: maximal 75 Minuten digitale Nutzung pro Schultag.
- Keine Smartphones bis Klasse 9 während der Schulzeit: zur Förderung analoger Sozialkontakte und der Konzentrationsfähigkeit.
- Digitale Tafeln gezielt nutzen, um didaktische Potenziale auszuschöpfen (zum Beispiel interaktive Visualisierungen, kollaborative Projekte).
- Qualitätsstandards statt Quantität: nicht mehr Digitalisierung, sondern bessere Digitalisierung.
- Fortbildungspflicht für Lehrkräfte zum medienpädagogisch fundierten Einsatz digitaler Werkzeuge.
- Verbindliche Präventionsstrukturen schaffen – inklusive Finanzierung psychosozialer Begleitung, Medienkompetenzvermittlung und Monitoring.

Florian Buschmann ist Psychologe (B.A.) und Mitglied im Fachverband für Medienabhängigkeit. Seit über sieben Jahren ist er in der Prävention und Intervention zum Thema Kinder und digitale Medien aktiv. Mit der von ihm gegründeten Initiative OFFLINE HELDEN erreicht er gemeinsam mit seinem Team jedes Jahr mehr als 13.000 Teilnehmende in über 500 Veranstaltungen. Er begleitet Familien, deren Kinder von einer kritischen oder krankhaften Mediennutzung betroffen sind, gibt ihnen Halt und Stabilität – und trägt so zum Erhalt beziehungsweise zur Wiedergewinnung ihrer psychischen Gesundheit bei.
