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Home » „Entweder deine Mutter oder ich!“
Familienzeit

„Entweder deine Mutter oder ich!“

Daniela GrießerVon Daniela GrießerAugust 12, 2018Aktualisiert:Feber 27, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Stefan Jetter, Einzel- & Paarcoach, „familylab“-Familienberater und Cranio-Sacral-Therapeut. Mit seiner Frau, Sandra, betreibt er die Beratungspraxis „Wertschätzungszone“. Stefan hat einen Stiefsohn und zwei Kinder aus der Ehe mit Sandra.

Wie kann Einmischung von Seiten der Schwiegermutter aussehen?
Ganz subtile, kleine Seitenhiebe und Sticheleien, hier und dort der eine oder andere Kommentar. Und dann die ganz direkten Einmischungen wie Kritik an der Schwiegertochter oder Vorwürfe. Klassische Schwiegermutter-Sätze gibt es in jeder Lebensituation. Über die Enkelkinder: „Bei mir schmeckt es den Kindern immer“, „Bei mir sind sie nie so“, „Bei mir dürfen sie Süßigkeiten essen“, „So etwas hätte es bei uns nicht gegeben“ (vorwurfsvoller Blick auf die Schwiegertochter), „Du stillst immer noch?“, „Was? Er ist noch nicht sauber?“ Über den Sohn: „Schlecht schaust aus, Bub! Bekommst nichts zu essen?“, „Wie geht es eigentlich der Susi?“ (Frage nach der Exfrau, die die Mutter lieber hatte), „Liebe Grüße an Esther!“ (am Briefende, obwohl der Sohn mit der Ester ohne „h“ seit 15 Jahren verheiratet ist). Direkte Einmischungen: „Das T-Shirt gehört nicht mit den anderen Sachen gewaschen“, „Das musst du aber schon bügeln!“, „Sagst du deinen Kindern eh, dass du sie liebhast?“, „Zum Schweinsbraten gehört aber schon ein Kraut!“, „Ich finde lange Haare bei Frauen besser. Das schaut weiblicher aus. Gell, Bub?“ (Kommentar zur neuen Frisur der Schwiegertochter).

Warum verhalten sich Schwiegermütter so?
Dahinter können folgende Überzeugungen stehen, denen sie dann auf die eine oder andere Weise Ausdruck verleihen: „Ich bin sehr besorgt und fürsorglich – deswegen sage ich, was ich denke“, „Ich trau dir nicht zu, dass du meine Enkelkinder versorgst“, „Ich mag dich nicht“, „Ich sorge besser für meinen Sohn/Enkelkinder als du!“, „Du kannst das nicht!“ Es gibt also die Bandbreite von echter Besorgnis und Mitgefühl bis hin zu Abwertung und absichtlicher Verletzung. Oft wird „verschlüsselt“ gesprochen, und am Ende kann die Schwiegermutter sagen: „Das habe ich nicht gesagt!“ Wir haben eine Postkarte in der Praxis hängen, auf der steht: „Ich sage nichts, aber was ich denke, ist grausam!“ – So ist das häufig in Familien!

Warum hilft der Mann zu seiner Mutter und nicht zu seiner Frau?
Weil er wieder in das alte Mutter-Kind-Muster einsteigt und sich so auf seine Mutter bezieht, wie er sich seit jeher auf sie bezogen hat. Aber eben als kleiner Bub, nicht als erwachsener Mann. In diesen Fällen haben Mutter und Sohn immer noch eine emotional symbiotische Beziehung – sie sind eine Einheit. Das ist sehr ungesund und beziehungsfeindlich!

Was kann die Frau tun?
Wenn sie immer wieder schlecht behandelt wird, kann sie sich zum Beispiel entscheiden, sie nicht mehr zu besuchen oder nicht mehr einzuladen. Sie könnte auch klar Stellung beziehen und sagen: „Ich würde dich gerne einladen. Schaffst du es, dass du den Kindern nichts Süßes mitbringst?“ Wenn der Mann immer weiter zwischen den Stühlen sitzt, dann kann die Frau ihn vor die Entscheidung stellen: „Entweder deine Mutter oder ich.“ Das klingt hart, ist aber oft die einzige Möglichkeit.

Welche Unterstützung bieten Sie in Ihrer Praxis zu diesem Thema an?
Wir helfen Frauen und Männern dabei, das alte Drehbuch umzuschreiben und erwachsen zu werden. Oft haben Männer Angst, ihre Mutter bricht zusammen, wenn sie nicht mehr das tun, was sie immer schon getan haben – brav sein. Aber sie sollten sich nicht emotional erpressen lassen und ihrer Mutter zutrauen, ihr eigenes Leben zu bewältigen. Gemeinsam mit meiner Frau halte ich auch Workshops zum Thema „ENT-ELTERUNG“.

Wer kommt mit diesem Problem zur Beratung?
Es kommen mehr Frauen, aber oft wird die Dynamik auch in einer Paarsitzung sichtbar. Dann arbeiten wir mit beiden weiter. Denn wenn sich der Mann seiner Mutter gegenüber behauptet, bekommt er auch eine neue Rolle in der Paarbeziehung. Damit muss die Frau dann erst umgehen lernen.“

In welcher Form wird die Beziehung belastet, wenn der Partner und seine Mutter eine Einheit bilden?
Dann hat der Mann zwei Frauen. Das mögen die wenigsten Frauen.

In welchem Fall bleibt nur mehr die Trennung?
Wenn der Mann seiner Mutter gegenüber immer weiter loyal bleibt und die Partnerin damit keine Chance hat.

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Daniela Grießer

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