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Home » „Es zeigt sich bereits früh, ob mein Kind ein Draufgänger oder zurückhaltend ist“
Erwachsen werden

„Es zeigt sich bereits früh, ob mein Kind ein Draufgänger oder zurückhaltend ist“

adminVon adminDezember 14, 2018Aktualisiert:Feber 26, 20263 Minuten Lesezeit
© Stephan Scoppetta
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Katharina Weiner, Coach und Trainer, Lebens-, Sozial- und Familienberaterin und Leiterin des Familylabs in Österreich, über den Umgang mit kleinen Draufgängern.

Wie furchtlos und wild dürfen Kinder sein?
Katharina Weiner: Ich wünschte, es wäre möglich, dass Kinder immer furchtlos und wild sein dürfen und wir sie von Beginn an so begleiten, dass sie ihren Drang danach gut kennenlernen. Und es ihnen dadurch gelingt, sich in der Zeit des Heranwachsens selbst der eigenen Wirkung, der eigenen Grenzen bewusst zu werden und auch Gefahren gut einschätzen zu können.

Sind Draufgängertum und Ängstlichkeit angeboren?
Angeboren ist unsere Neugier, unsere Entdeckerlust und der Drang, über uns selbst hinauswachsen zu wollen. Wie sehr wir dabei durch unsere Gene geprägt sind, wird aktuell erneut diskutiert. Da ein Teil unserer Gesellschaft mehr dazu neigt, Kinder durch frühe (Über-)Förderung und der Sorge um Verletzungen vom echten Spielen und Ausprobieren abzuhalten, lässt sich eine naturgemäße Entwicklung kaum noch mit Sicherheit feststellen. Deshalb sollten wir uns darum bemühen, auch unsere Kinder zu entdecken. Es zeigt sich bereits früh, ob mein Kind eher ein Draufgänger oder ein zurückhaltendes Wesen ist. Sie sollten dabei nicht in unsere Vorstellung gedrängt werden, denn so entsteht oftmals im Kind das Gefühl, nicht okay zu sein, wie es ist.

Sollten Eltern immer gleich einschreiten und das Kind bremsen?
Sie sollten dann einschreiten, wenn es ihnen selbst zu wild ist. Allerdings nicht in der Form, dass ein umgehendes Verbot ausgesprochen wird, sondern ich meinem Kind vermittle, dass es mir als Erwachsener nun zu gefährlich erscheint. Ich erinnere mich an die beste Freundin meiner Tochter in Kindertagen, hoch oben im Baum quietschvergnügt. Ihr einziges Problem war damals: Wie komme ich wieder runter? Hier helfen Gelassenheit, Ruhe und Vertrauen. Danach ein unspektakuläres Gespräch: „Sehr beeindruckend, wie und dass du so hoch geklettert bist. Das nächste Mal versuch, die Höhe besser einzuschätzen. Es kann nämlich sein, dass niemand sofort da ist, wenn Du Hilfe brauchst. Ich möchte nicht, dass Dir etwas passiert.“

Wie vermittelt man Kindern ein „gesundes“ Risikobewusstsein?
In dem wir zuallererst mit gutem Beispiel voran gehen. Wenn ich selbst bei Rot über die Straße laufe, darf ich von meinem Kind nicht erwarten, dass es wie selbstverständlich stehenbleibt. Ein guter Kontakt zu meinem Kind ermöglicht mir als Elternteil, Risiken gemeinsam abzuwägen und auch gegebenenfalls beidseitigen Frust auszuhalten, wenn etwas nicht erlaubt ist und mein Kind sich wie wild dagegen wehrt. Oder mein Frust, wenn ich meinem Kind im positiven Sinn zur Vorsicht etwas vermittle und mein Kind anderer Meinung ist.

Kann man mit der eigenen übertriebenen Vorsicht auch Ängste beim Kind schüren?
So wie wir Abneigung vielleicht vor Spinnen, Mäusen oder ähnlichem vorleben, ist es auch mit der Angst. Oder wir versuchen, die Angst (wie vor Monstern unterm Bett) dem Kind zuliebe auszureden. Beides hat zur Folge, dass sich das Kind nicht ernst genommen fühlt. Also lieber gemeinsam erkunden, wer wovor und warum Angst hat, und nicht eigene Ängste auf mein Kind projizieren.

Werden Kinder tatsächlich aus Schaden klug?
Kinder lernen aus natürlichen Konsequenzen, die beim Ausprobieren wie z. B. Laufen Lernen, Klettern, Laufrad Fahren, Schaukeln u. v. m. entstehen. Hier dürfen auch mal ein Kratzer, ein blauer Fleck oder eine Beule passieren und auch der damit verbundene Schmerz, ohne dass wir diesen Übergebühr wegtrösten, sondern empathisch begleiten. Mit schlechten Schulnoten verhält es sich übrigens ähnlich! Ausnahmen sind natürlich Gefahrenmomente, die vorhersehbar sind. Was Steckdosen, über die Straße Laufen oder heiße Herdplatten betrifft, ist unsere elterliche Führung gefragt. Ein klares Nein oder auch eine proaktive Schutzvorrichtung sind hier durchaus angebracht. Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu vermitteln, dass sie bei all diesen Herausforderungen nicht alleine sind.

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