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Home » Hurra, ich bin ein Schulkind!
Bildung

Hurra, ich bin ein Schulkind!

Sonja CernyVon Sonja CernySeptember 15, 20216 Minuten Lesezeit
© iStock Images
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Wenn Kinder in die Schule kommen, müssen sie von Anfang an lernen, auf eigenen Beinen durchs Leben zu gehen. Eltern, die ihnen nach wie vor jeden Stein aus dem Weg räumen möchten, tun ihnen damit keinen Gefallen.

Im Alter von 4 Jahren wenden sich Jungen emotional mehr der Mutter zu, Töchter ihren Vätern. Die sogenannte ödipale Phase dauert bis zum siebenten Lebensjahr an. In dieser Zeit entwickeln Kinder ein Bewusstsein über ihre eigene Geschlechtlichkeit, sie erkennen, dass es Erwachsene, Gleichaltrige, Jungen und Mädchen gibt und können sich selbst in die richtige Gruppe einordnen.

Im Laufe des letzten Kindergartenjahres verändert sich der kindliche Körper. Die Extremitäten wachsen, der Rumpf wird schlanker, der Bauch kleiner, die Schultern breiter, das Gesicht schmäler und die ersten Milchzähne fallen aus. Kinder zwischen 5 und 6 Jahren sind häufig in ihrer Stimmung labil und lösen sich ein wenig von Eltern und Geschwistern, während sie vermehrt Kontakt zu Gleichaltrigen einer Gruppe suchen. Alte Spiele werden langweilig, bevorzugt werden nun Rollenspiele und Konstruktionsspiele wie Lego oder Matador, Regelspiele in Gruppen finden großen Anklang.

Checkliste – © Shutterstock

Kleine Persönlichkeiten

Das Kind erkennt, dass es eine eigenständige Person ist und kann sich in andere Personen und Rollen hineinversetzen. Der zuvor noch vorhandene Egozentrismus wird abgelöst durch die Übernahme sozialer Rollen und das Planen von Handlungen. Im letzten Kindergartenjahr erkennen Kinder, dass Handlungen Folgen haben und zeitliche Abläufe unser Leben bestimmen. Beim Sprechen verwendet Ihr Kind nun längere Sätze, es beherrscht etwa 2500 Wörter beim Reden und versteht etwa 13.000 Begriffe beim Zuhören. Ihr Kind lernt vor dem Schulbeginn Vorschläge zu machen, Fragen zu stellen und interessiert sich für die Meinungen anderer Kinder. Es kennt Ober- und Unterbegriffe (Obst = Apfel), kann logische Schlussfolgerungen ziehen (wenn es regnet, ziehe ich … einen Regenmantel an) und kann sich in andere Menschen hineinfühlen, also empathisch sein. Mit seinen eigenen Gefühlen lernt Ihr Kind bereits umzugehen und entwickelt Lösungsansätze. (Wenn ich nachts Angst habe, … laufe ich zu meiner Mama). Aus Erfahrungen gelingt es dem Kind nun bereits, Pläne für die Zukunft zu machen. Ihr Kind kennt in diesem Alter Erfolg und Misserfolg und ist nunmehr auf dem Weg, daraus Konsequenzen zu ziehen. Daraus entwickeln sich Motivation und Leistungsbereitschaft, Ihrem Kind wird es nun auch wichtig, sich mit anderen zu messen.

© iStock Images

Die diplomierte Pädagogin Herta Klotz meint: Nun ist es ganz wichtig, dass Sie Ihrem Kind ermöglichen, aus Erfahrungen zu lernen. Ihr Kind darf Fehler machen, es darf sich mit Problemen auseinandersetzen, es muss erfahren können, dass es selbst als kleiner Mensch in der großen Welt Schwierigkeiten meistern kann. Versuchen Sie daher nicht, Ihrem Kind alle Steine aus dem Weg zu räumen, lassen Sie es Erfahrungen sammeln und lernen, nur so ist es möglich, in der folgenden Phase des Schuleintritts das nötige Selbstbewusstsein und die nötige Kompetenz mitzubringen, die ein gesundes Schulkind braucht. Trauen Sie Ihrem Kind auch manche Dinge schon alleine zu, es möchte selbständig werden und schätzt Ihr Vertrauen. Der Wunsch, sich ein bisschen zu lösen, fordert Vertrauen und Anerkennung einerseits, die Aufmunterung zu eigenständigem Handeln fördert Ihr Kind beim Wachsen (alleine etwas einkaufen gehen, alleine den Körper pflegen und die Kleidung auswählen, kleine Aufgaben im Haushalt etc.).

Tipps für einen gelungenen Start

Mit dem Schulstart beginnt sowohl für das Kind, als auch für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt. Ihr Kind sollte sich auf die Schule freuen können, erzählen Sie also von eigenen, schönen Schulerlebnissen.

Üben Sie ein bis zwei Wochen vor Schulstart den Schulweg mit Ihrem Kind, zeigen Sie ihm dabei nicht den schnellsten, sondern den sichersten Weg.

Gehen Sie selbst davon aus, dass die Lehrkraft Ihres Kindes eine ausgebildete, pädagogische Fachkraft ist, die das Beste für Ihr Kind möchte. Ihr Kind wird dieser Person vertrauen und eine enge Beziehung aufbauen. Fragen Sie immer wieder nach, was Ihr Kind Tolles in der Schule erlebt hat und ob es schon Freunde gefunden hat, regen Sie an zum Erzählen. In den ersten beiden Schuljahren benötigt Ihr Kind noch Unterstützung bei der Organisation des Schulalltages. Packen Sie gemeinsam jeden Tag die Schultasche aus, ordnen Sie Stifte und Papiere mit Ihrem Kind mit dem Ziel, dass es diese Aufgaben schon bald alleine übernehmen kann.

Zeigen Sie reges Interesse an den Arbeiten, die Ihr Kind erfüllt, das gibt den Schulaufgaben eine Wertigkeit und Ihr Kind fühlt sich gesehen und wichtig. Der Eintritt in das Schulleben bedeutet nicht, dass ab diesem Zeitpunkt die Schule für Erziehung und Lernen allein verantwortlich ist. Ihr Kind möchte mit Ihnen teilen, was es erlebt, Sorgen besprechen und Lob ernten. Greifen Sie bei Unsicherheiten nicht gleich ein, sondern regen Sie Ihr Kind an, selbst Lösungen auszuprobieren.

Seien Sie geduldig, wenn nicht alles auf Anhieb reibungslos funktioniert. Für Ihr Kind bedeutet der Alltag in einem Schulbetrieb eine große Umstellung. Viele Kinder sind ganztags in einer staatlichen Organisation, es gibt neue Kindergruppen, neue Bezugspersonen, viele Regeln und eine ganze Menge Inhalte, die sich Ihr Kind merken soll. Nach einem langen Schultag muss Ihr Kind eine Pause haben, eine Möglichkeit zum Rückzug, möglichst ohne mediale Beflutung wie Fernsehen. Es erlebt über viele Stunden einen anhaltenden Geräuschpegel und ist immer unter vielen anderen, sodass ein Ruhepol zuhause wichtig ist. (Die Beschäftigung mit medialen Inhalten wie TV, Xbox, Playstation etc. sollte in diesem Alter maximal eine halbe Stunde täglich betragen.)

Planen Sie keine zusätzlichen Freizeitkurse, in denen Ihr Kind wieder gefordert ist und ihm Leistung abverlangt wird. Ein sportlicher Ausgleich zum Schulalltag ist jedoch sicher wünschenswert, sofern dabei kein großer Zeit- und Leistungsdruck entsteht. Nehmen Sie sich für Hausaufgaben mit Ihrem Kind ausreichend Zeit, in der Sie selbst nicht gestresst sind und schalten Sie dabei alle Geräuschquellen aus. Führen Sie abends ein Ritual zum Schlafengehen ein, das Ihr Kind entspannt. Lesen Sie ihm etwas vor, hören Sie Entspannungsmusik und kuscheln Sie mit Ihrem Sprössling, lassen Sie noch einmal den Tag mit Ihrem Kind vor Augen ablaufen.

Begleiten Sie Ihr Kind mit guten und positiven Gedanken in den neuen Lebensabschnitt, stehen Sie zur Seite, wenn es Sie braucht, aber trauen Sie Ihrem Kind auch ruhig schon etwas zu, denn es möchte lernen und wachsen und sich sicher sein, dass Ihre helfende Hand da ist, wenn es Sie braucht.

Checkliste – © Shutterstock

Herta Klotz fasst so zusammen:

  • Vermitteln Sie selbst eine positive Einstellung;
  • Üben Sie im Sommer den Schulweg;
  • Vertrauen Sie der Lehrkraft und Ihrem Kind, trauen Sie ihm etwas zu;
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Erlebte, zeigen Sie Interesse;
  • Helfen Sie bei Hausübungen und packen Sie GEMEINSAM die Schultasche;
  • Lassen Sie abseits der Schulzeiten viel ungeplante Freizeit mit Ruhepolen;
  • Entwickeln Sie ein entspannendes Abendritual;
  • Schränken Sie alle medialen Einflüsse ein.

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Sonja Cerny

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