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Home » Kein Ostern ohne…
Familienzeit

Kein Ostern ohne…

Sandra LobnigVon Sandra LobnigApril 7, 2023Aktualisiert:April 7, 20265 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Ostern bedeutet auch Ratschen, Fleischweihe, Osterfeuer, Palmbuschen, Nesterl suchen: Viele Osterbräuche haben eine lange Tradition und werden von den Großeltern an ihre Enkelweitergegeben.

Gerade die Großeltern leben viele Ostertraditionen noch so, wie sie es in ihrer eigenen Kindheit erlebt haben. Dieses Wissen geben sie gerne an ihre Enkelkinder weiter. „familiii“ hat Omas und Opas in ganz Österreich besucht und sich deren liebste Osterbräuche zeigen lassen.

© privat – Bei Carina Lafite wird mit den Enkelkindern beim Palmbuschbinden über Bibelgeschichten gesprochen.

Carina Lafite bindet mit ihren Enkelkindern Luisa, 9, Anton, 8, und Hemma, 6, schon mehrere Wochen vor dem Palmsonntag Palmbuschen. „Ich bin auf einer Landwirtschaft aufgewachsen und weiß, dass man die Palmbuschen lange vor Ostern abschneiden muss, weil sie sonst auswachsen“, erzählt die Großmutter aus Wildungsmauer in Niederösterreich. Während des Palmbuschenbindens spricht sie mit den Enkeln über die Stelle aus der Bibel, in der Jesus am Palmsonntag auf einem Esel in Jerusalem einzieht. „Die Kinder lieben diese Geschichten aus dem Evangelium.“ In diesem Jahr ist der achtjährige Anton zum
ersten Mal beim Männerbittgang im Ort mit dabei, worauf er sich schon sehr freut. „Dabei geht man mit einem Kreuz über die Fluren und bittet Gott um gutes Gedeihen der Ernte.“ Lange Tradition in der Familie hat außerdem ein Osterlamm aus Butter, das Carina Lafite und ihre Enkel mit einer alten Model herstellen. Die Butter wird gemeinsam beim Osterfrühstück gegessen.

© privat – Das Feuer am Nachmittag hat in der Familie schon Tradition. Bereits für seine eigenen Kinder hat der Opa Abschnitte von Bäumen gesammelt, aufgeschichtet und angezündet.

Die Osterferien verbringen Jakob, 12, und seine Schwester Maria, 9, aus Wien immer bei ihren Großeltern in Öblarn in der Steiermark. Schon immer entzündet der Opa für seine Enkel ein Osterfeuer am Karsamstag – so wie viele Bauern und Familien in der Gegend. Die warten mit dem Anzünden allerdings meistens bis zum Osternachts-Gottesdienst am Abend, wenn auch vor
der Kirche das Osterfeuer entzündet wird. Weil der Gottesdienst am Abend für die Kinder, als sie noch kleiner waren, zu spät war, wird bei Jakob, Maria und ihren Großeltern das Feuer bereits am Nachmittag entfacht. „Davor helfen wir dem Opa, die
Abschnitte von den Bäumen zu stapeln“, erzählt Jakob, der den Moment des Anzündens am allerbesten findet. Das Feuer am Nachmittag hat in der Familie schon Tradition. Bereits für seine eigenen Kinder hat der Opa Abschnitte von Bäumen  gesammelt, aufgeschichtet und angezündet. Genauso traditionell ist der Brennnesselspinat, für den die Oma Brennnessel sammelt, und der am Gründonnerstag serviert wird. Was für die ganze Familie dazugehört: An den Kar- und Ostertagen gemeinsam
in die Kirche gehen.


© privat – Vor dem Palmsonntag binden die Kinder mit ihren Großeltern mütterlicherseits die ‚Palmbesen‘ aus Palmkätzchen, Immergrün, Eibe oder Thuje, und verzieren sie mit einem bunten Band.

Bei den Geschwistern Antonia, 6, Oliver, 8, und Clemens, 10, aus Erlauf in Niederösterreich wird Ostern in der Großfamilie gefeiert. Vor dem Palmsonntag binden die Kinder mit ihren Großeltern mütterlicherseits die ‚Palmbesen‘ aus Palmkätzchen, Immergrün, Eibe oder Thuje, und verzieren sie mit einem bunten Band. Nach der Palmweihe werden die Palmbesen zum Kreuz im Wohnzimmer gestellt. Das ‚Nesterlsuchen‘ findet am Karsamstagnachmittag statt, gemeinsam mit den anderen Großeltern, die mit den Kindern im Haus wohnen. Am Abend gibt‘s eine gemeinsame Osterjause mit ‚Eierpecken‘, bei dem immer zwei Personen gefärbte Eier aneinanderstoßen. Sieger ist der, dessen Ei nicht kaputt wird. Zusammen mit den Großeltern, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen – alles in allem zwölf Kinder und zwölf Erwachsene – wird am Sonntag ein großes Fest gefeiert.

Schleischitz
© privat – Helmut Schleischitz ist als Kind in seinem Heimatort Steinbrunn selbst mit der Ratsche gelaufen.

Für Helmut Schleischitz war das Ratschen als Kind in seinem Heimatort Steinbrunn im Burgenland ein echtes Erlebnis. „Wir waren vierzig bis fünfzig Buben zwischen fünf und 14 Jahren und sind mit den Ratschen und so genannten Kleppern, die uns
ein Tischler für ein paar Schilling gebaut hat, durch den Ort gezogen.“ Weil Steinbrunn eine kroatische Gemeinde ist, riefen die Buben auf Kroatisch zum Gebet, machten viel Lärm und sammelten Eier und Geld ein. „Die 14-jährigen Buben haben dabei
die Führung übernommen und Geld und Eier am Schluss ausgeteilt. Wobei sie sich den größten Teil des Geldes für sich behalten haben“, erinnert sich Helmut Schleischitz, der schon viele Jahrzehnte in Eisenstadt lebt. Dort in der Dompfarre sind seine Enkelinnen Johanna, 9, Priska, 7 und Petra, 2, heute mit Freude beim Ratschen dabei.

Inge Stermitz
© privat – Am Ostersonntag kommt bei Inge Stermitz aus Ferlach der geweihte Osterschinken auf den Tisch.

Als Kind war Inge Stermitz aus Ferlach in Kärnten mit ihrer Mutter oder ihrer Oma bei der traditionellen Fleischweihe am
Karsamstag. Heute nimmt sie ihren fünfjährigen Enkel Noah mit. Und natürlich einen Korb gut gefüllt mit Köstlichkeiten für die Osterjause, bedeckt mit einem besonders schön bestickten Deckerl. „Bei einem ‚Materle‘, also einem Wegkreuz, kommen die Leute dazu aus der Gegend zusammen und der Pfarrer segnet die Körbe im Rahmen einer Andacht“, erzählt die  Großmutter. Zu Hause wird der Inhalt des Körbchens verspeist: Schinken, Zunge, gefärbte Eier, Osterbrot und Kren. „Den Schinken holen wir uns davor von einem Bauern in der Nähe und essen ihn übers Osterwochenende. Besonders das Frühstück am Ostersonntag
zelebrieren wir.“

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Sandra Lobnig

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