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Home » Kinder- und Jugendpsychiatrische Versorgung in Österreich mangelhaft
Gesund bleiben

Kinder- und Jugendpsychiatrische Versorgung in Österreich mangelhaft

MedUni WienVon MedUni WienJänner 31, 2021Aktualisiert:März 3, 20263 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Studie bescheinigt zu wenig Ausbildungsmöglichkeiten für FachärztInnen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und bundesweit zu wenige therapeutische Einrichtungen.

Seitdem die Kinder- und Jugendpsychiatrie 2007 ein medizinisches Sonderfach wurde, haben sich die Ausbildungssituation von ÄrztInnen und die Versorgung der PatientInnen
in Österreich verbessert. Allerdings gibt es noch immer große Unterschiede zwischen den Bundesländern und insgesamt großen Reformbedarf. Das zeigt eine Studie der beiden Kinderund Jugendpsychiater Rainer Fliedl und Andreas Karwautz von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (ÖGKJP), die an der Universitätsklink für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien situiert ist. Neben einer Korrektur der sogenannten „Mangelfachregelung“ seien eine bessere Finanzierungsstruktur sowie die Schaffung zusätzlicher therapeutischer Einrichtungen dringend erforderlich. Die Studie wurde im Journal „Neuropsychiatrie“ publiziert.

Aufbauend auf der „Mental Health in Austrian Teenagers (MHAT)-Studie“ (Andreas Karwautz und Gudrun Wagner 2017) wurde erhoben, dass fast jede(r) vierte Jugendliche in Österreich an einer psychischen Störung leidet. Gemäß den Daten der Statistik Austria von 2014 betrifft das 170.800 Jugendliche, von denen 106.800 akut  behandlungsbedürftig sind. Die therapeutische Versorgungssituation folgt hierbei einem gestuften Versorgungsmodell aus einzelnen Bausteinen, zu denen verschiedene stationäre und ambulante Formen zählen. Insgesamt seien sowohl Interdisziplinarität als auch die Bereitstellung der Ressourcen seitens der Länder erforderlich, so das Resümee der Studie.

Seit 2016 kamen österreichweit 119 Behandlungsplätze zur stationären Kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung dazu. Derzeit stehen 12 Krankenhausabteilungen zur Verfügung, von denen sechs dislozierte Außenstellen mit einer Ambulanz und fünf dislozierte Außenstellen mit tagesklinischen Plätzen haben. Weiters gibt es die Ambulanz und Tagesklinik des Psychosozialen Dienstes in Wien. Insgesamt gibt es 22 ambulante Einrichtungen in Österreich. Vor allem in den flächenmäßig größeren Versorgungsregionen wie in Oberösterreich und der Steiermark wären weitere Standorte dringend nötig. Der Anteil an tagesklinischen Betreuungsmöglichkeiten hat seit dem Vorjahr leicht zugenommen und das Verhältnis zu stationären Plätzen beträgt nun 30 zu 70 Prozent. Offen ist auch eine Integration von international üblichen mobilen Versorgungsmöglichkeiten, wie „Home Treatment“ bei Diagnosen von Ess-Störungen oder Autismus, um lange Klinikaufenthalte vermeiden zu können. Hierbei kommen Therapieformen wie z.B. Psychotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Musiktherapie und Physiotherapie ineinandergreifend zum Einsatz.

Viele Entwicklungsmöglichkeiten sieht Rainer Fliedl im Bereich der Versorgung mit Kassenplätzen, denn insbesondere im Burgenland und in der Steiermark gibt es momentan ausschließlich Privatordinationen, obwohl Kassenordinationen sofort realisierbar wären. Auch die Ausbildungssituation müsse dringend verbessert werden, so Fliedl. Es sei wichtig, regelmäßig mehr als zwanzig FachärztInnen pro Jahr auszubilden. Diese Quote werde momentan nicht immer erreicht, da die geltende  „Mangelfachregelung“ die Ausbildungssituation nur gering verbessert hat. Fliedl: „Da die Versorgungsplanung zuallererst die Grundversorgung im Auge hat und alle
Zahlen sich darauf beziehen, darf keineswegs vergessen werden, dass im Anschluss daran für eine Vollversorgung auch hochspezialisierte Teilbereiche des Faches entwickelt werden müssen, die zusätzliche Ressourcen benötigen.“ Diese Ressourcen für z.B. Suchtbehandlung, Eltern-Kind Behandlung, Psychosenprävention und stationäre Psychotherapie müssen zusätzlich geschaffen werden.

Dass die Situation in Österreich im Vergleich zu etwa Deutschland oder Skandinavien sich nur zögerlich verbessere, liege an alten Versäumnissen wie dem fehlenden politischen Willen der Nachkriegszeit und der damaligen konservativen Haltung in der Kinder- und Jugendheilkunde. Somit habe es auch lang gedauert, bis die Ablösung des Sonderfachs „Kinder- und Jugendpsychiatrie“ von den Stammfächern möglich war. “Der Einbezug der Psychotherapeutischen Medizin ins Sonderfach stellt allerdings einen Quantensprung in der Weiterentwicklung des Faches dar und optimiert die Versorgung inhaltlich“, so Andreas Karwautz resümierend.

Hier finden Sie die Studie:

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