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Home » Lost Faces – wie Kaffee für Bildung sorgt
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Lost Faces – wie Kaffee für Bildung sorgt

Christian NeuholdVon Christian NeuholdMärz 26, 20265 Minuten Lesezeit
c Bianca Kübler
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Bei einem Medien-Café-Talk am Donnerstag, den 26. März 2026, präsentierte das Wiener Rösthaus im Wiener Prater die neue Kaffeelinie „LOST FACES”. Die neuen Sorten führen Namen wie „Die Stille von Taunggyi” oder „Die Kinder des Nebels” und sind eine Hommage an das kulturelle Erbe der Produktionsländer, darunter Kenia oder Papua-Neuguinea. Außerdem wurden der aktuelle Trend zur Wiener Röstung sowie die Bedeutung einer nachhaltigen Kaffeeproduktion thematisiert.

Als das Wiener Rösthaus im Wiener Prater (Straße des Ersten Mai 80), im Jahr 2013 gegründet wurde, war die Idee, in Wien eine handwerkliche Rösterei aufzubauen, zugleich kühn und naheliegend. Kühn, weil die Stadt zwar eine starke Kaffeehauskultur hat – aber kaum noch handwerklich röstet. Naheliegend, weil Wien mit der „Wiener Röstung“ eine Tradition besitzt, die in Europa einzigartig ist und doch droht, leiser zu werden. „Für uns ist Kaffee kein Produkt, sondern ein kulturelles Erbe – eines, das im Duft und in der Tiefe des Aromas ebenso spürbar ist wie in der Geschichte, die es umgibt. Wir sind davon überzeugt, dass wirklich guter Kaffee nur dort entsteht, wo Menschen mit Hingabe arbeiten“, sagt Silvia Maino, Geschäftsführerin des Wiener Rösthauses, im Rahmen eines Medien-Café-Talks am 26. März 2026. Gemeinsam mit Helmut Brem (Marketingleitung) wurde ein Unternehmen aufgebaut, das heute zu den feinfühligsten und charaktervollsten Röstereien des Landes gehört.

„LOST FACES“ und erster entkoffeiniert Kaffee

Wer die Rösterei im Wiener Prater besucht, merkt sofort: Hier ist kein anonymer Produktionsbetrieb, sondern ein Ort des Handwerks entstanden. Das Wiener Rösthaus verarbeitet im Jahr rund 15 bis 20 Tonnen Kaffee – eine Menge, die bewusst gewählt ist. Jede Bohne, die hier ankommt, wird geprüft, verkostet und mit einem Röstprofil versehen, das ihrer Herkunft und Struktur gerecht wird. Verarbeitet werden ausschließlich Arabica-Bohnen von höchster Qualität. Jede Sorte wird sortenrein geröstet, um ihr charakteristisches Aromaprofil zu bewahren. Das Portfolio beinhaltet Rohkaffee-Sorten aus Äthiopien, Kolumbien und Brasilien, aber auch auf besondere Ursprünge wie Bali, Thailand oder die Dominikanische Republik. NEU: Im Portfolio ist erstmal ein entkoffeinierter Kaffee „Galeras Nariño Decaf“ aus der Region Nariño in Kolumbien auf. Dieser wird dem CO₂-Verfahren entkoffeiniert, nicht mit Dichlormethan oder anderen chemischen Lösungsmitteln. Ein weiteres neues Highlight ist die neue Produktlinie „LOST FACES“. „Uns ist bei diesem Projekt wichtig, die Menschen hinter dem Produkt zu zeigen. In unserer heutigen Zeit geraten ihre Geschichten oft in Vergessenheit – Wirtschaft und Gewinnspanne verdrängen dabei allzu leicht die persönlichen Lebensrealitäten der Menschen vor Ort“, betont Helmut Brem und ergänzt: „Wir zeigen Gesichter und Menschen, die den Kaffee vor Ort anbauen und welche Arbeit dahinter steckt. Kaffee ist nach Erdöl das zweitgrößte Handelsprodukt der Welt und selbstverständlich für uns. Nur wenige wissen um die harte Arbeit, die hinter jeder Tasse steckt. Dieses Projekt soll genau diese Arbeit sichtbar machen und den Menschen ein Gesicht geben.“

c Bianca Kübler

Die neuen „LOST FACES“ Produkte im Überblick:

  • Die Stille von Taunggyi
    Ort: Myanmar – Shan-Staat, Region Taunggyi
    Kaffeesorte: Myanmar Arabica (Taunggyi Estate Coffee) / Preis: 500 Gramm, 28,00 Euro

Zwischen den mystischen Bergen des Shan-Staates erhebt sich Taunggyi – „Großer Berg“ nennen ihn die Einheimischen. Hier leben die Pa-O und Shan-Völker, Bauern, die den Kaffee wie ein Geheimnis bewahren. Als Myanmar vor Jahrzehnten die Teefelder dominierte, pflanzten einige mutige Familien Arabica-Sträucher. Heute wachsen sie auf über 1.300 Metern, im Nebel, zwischen Mangobäumen und wilden Orchideen. Jede Ernte ist Handarbeit – das Pflücken, Sortieren, Trocknen auf Bambusmatten.

  • Die Hügel von Ndurutu
    Ort: Kenia – Nyeri County, Dorf Ndurutu / Preis: 500 Gramm, 29,00 Euro
    Kaffeesorte: Kenia AA Arabica (SL28 & SL34)

Am Fuß des Mount Kenya, im roten Lehm der Hochländer, arbeiten die Bauern von Ndurutu. Ihr Kaffee ist eine Symphonie aus Sonne, Regen und Geduld. Die Menschen hier gehören meist zum Volk der Kikuyu, eines der traditionsreichsten Ostafrikas. Jede Bohne durchläuft ein heiliges Ritual: zuerst werden nur die reifsten Kirschen gepflückt. Dann das Waschen im klaren Bergwasser, schließlich die langsame Trocknung. Der Duft: schwarze Johannisbeere, Zitrus, ein Hauch Wein. Für die Kikuyu ist Land mehr als Besitz. Es ist Identität.

  • Die Kinder des Nebels
    Ort: Papua-Neuguinea – Hochland von Wahgi und Simbu
    Kaffeesorte: Typica- und Bourbon-Varietäten (PNG Arabica) / Preis: 500 Gramm, 25,00 Euro

Im Herzen des Pazifiks leben die Huli und Chimbu. Ihre Gesichter – bemalt mit Erde, Asche und Ocker – erzählen Geschichten von Ahnen und Erde. In diesen Höhenlagen wächst einer der reinsten Arabicas der Welt. Der Kaffee wird nicht von Maschinen, sondern von Familien gesammelt und getrocknet, oft mitten im Dorf. In vielen Regionen ist Kaffee die einzige Verbindung zur Außenwelt – ein Tauschgut, Hoffnung, Bildungschance. Die Menschen nennen den Kaffee „ihren stillen Bruder“.

Microlots und Nachhaltigkeit – Die Philosophie des Wiener Rösthauses
Besonders deutlich wird die Philosophie des Wiener Rösthauses in den Microlots, streng limitierte Kaffees aus klar abgegrenzten Parzellen. Hier wirken Boden, Klima, Varietät und Erntejahr in außergewöhnlicher Weise zusammen. Die Bohnen werden oft von Hand selektiert und stehen nur in wenigen Säcken zur Verfügung. Für das Wiener Rösthaus sind sie keine Prestigeobjekte, sondern ein Beispiel dafür, wie differenziert Kaffee schmecken kann, wenn er unverfälscht bleibt. Je nach Saison umfasst das Sortiment rund zwölf Standardsorten, etwa acht Spezialitäten und sechs bis acht Microlots, die meist rasch vergriffen sind.

Gleichzeitig legt das Wiener Rösthaus großen Wert auf Nachhaltigkeit: Viele Arabica-Bohnen stammen direkt von kleinen Produzenten und Kooperativen, die ohne chemische Spritzmittel arbeiten und natürliche Anbaumethoden wie Schattenbäume und Mischkulturen nutzen. Kurze, transparente Transportwege und fair handelnde Partner sorgen für einen geringen ökologischen Fußabdruck und erhalten den persönlichen Kontakt zu den Produzenten. Im Haus selbst wird frisch, energieeffizient und schonend geröstet, sodass die charaktervollen Aromen der Bohnen bewahrt werden. „Die Bohnen gibt es zum Mitnehmen, den Kaffee zum Genießen bei uns. So bleibt die Kaffeekultur nicht Theorie, sondern wird direkt erlebbar“, betont Maino, die ihr Handwerk bei Professor Edelbauer erlernte – einem der bedeutendsten Persönlichkeiten des österreichischen Kaffeehandwerks.

Mehr Informationen zum Wiener Rösthaus unter: www.wienerroesthaus.at 

© Katharina Schiffl
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Christian Neuhold

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