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Home » Mein Kind ist so enttäuscht!
Erwachsen werden

Mein Kind ist so enttäuscht!

Sabine StandenatVon Sabine StandenatDezember 30, 2020Aktualisiert:Feber 26, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Sieg und Niederlage gehören zum Leben. Aber schon kleine Kinder müssen oft einiges verkraften. Was sind die größten Enttäuschungen für Kinder und wie können Eltern helfen?

Peng! Die Türe zum Kinderzimmer fliegt zu und dahinter ist heftiges Weinen zu vernehmen. Melinda, 9, ist zutiefst getroffen. Ihre bisher beste Freundin Andrea hat sie nicht zum Geburtstagsfest eingeladen. Das tut sehr weh.

Georg, 13, ist seit einiger Zeit Torwart in seinem Fußballverein. Jetzt hat die Mannschaft ein paar Mal hintereinander verloren. Im Umkleideraum hört er, wie Manfred sagt: „Der Typ ist so ein Loser. Hätten wir bloß jemand anderen.“ Georg würde am liebsten im Boden versinken.

Babsi, 14, ist in Mike verliebt. Sie findet ihn „zum Knutschen“. Aber Mike beachtet sie überhaupt nicht, sondern hat nur Augen für Malina. Zuhause weint Babsi sich die Augen aus. Schon kleine Kinder reagieren heftig, wenn sie enttäuscht sind. Wenn ihr Bedürfnis nach Nahrung oder Zuwendung nicht erfüllt wird, schreien sie. Im Vorschulalter haben Eltern in der Regel einen guten Einblick in die Lebenswelt der Kinder und können dadurch Enttäuschungen schneller erkennen. Sie bringen sie in den Kindergarten, sprechen dort mit den Betreuern und hören auch die Berichte anderer Mütter und Väter. Das ändert sich mit zunehmendem Alter. Schon in der Volksschule fällt das Abholen meist weg und so wissen sie oft nicht aus erster Hand, was genau zu einer Enttäuschung geführt hat. Manche Kinder tragen ihr Herz auf der Zunge, andere verschließen sich. Die Kunst der Eltern ist es nun, die Eigenart des Kindes zu respektieren und trotzdem Frustration und Trauer nicht zu ignorieren.

Was kann dazu führen, dass Kinder enttäuscht sind?

Kinder sind aus vielen Gründen und je nach Persönlichkeit mehr oder weniger enttäuscht: Wenn die beste Freundin oder der beste Freund nicht mehr zur Verfügung steht, weil er oder sie umzieht oder sich jemand anderem zuwendet, die Eltern sich trennen und nun ein Teil nicht mehr „da“ oder unzuverlässig ist, das Lieblingsspielzeug kaputtgeht, Wünsche wie nach einem Haustier nicht erfüllt werden, Geschwister mehr Beachtung finden, Bezugspersonen oder ein geliebtes Tier stirbt, sie beim Sport Niederlagen erleiden, indem sie zum Beispiel als Letzter in ein Team gewählt werden, wegen Liebeskummer, der Schwärmerei für einen Lehrer oder eine andere Person, die unerreichbar ist, Nichtbeachtung in Social-Media-Plattformen oder ein Vertrauensmissbrauch der Eltern, die zum Beispiel etwas versprachen und es dann nicht gehalten haben. Enttäuschungen gehören zum Leben dazu. Dennoch sind solche Erfahrungen für Kinder hart.

© Shutterstock

Wie können Sie nun erste Hilfe leisten?

unbedeutend erscheint – für Ihr Kind ist er groß. Reden Sie ihn also nicht klein, sondern sagen Sie: „Ich kann verstehen, dass du jetzt unheimlich enttäuscht bist!“ Starten Sie auch ein Verwöhnprogramm, das dem Kind hilft, zu entspannen und sich geborgen zu fühlen. Das kann eine große Tasse Kakao mit den Lieblingskeksen sein, bei kleineren Kindern eine Märchenlesung auf der Couch oder auch eine Rückenmassage mit Duftöl. Das mögen selbst Kinder, die sonst eher abwehrend auf Nähe reagieren. Haben Sie aber Verständnis, wenn zuvor erst einmal durch Türenknallen oder Schimpfen Dampf abgelassen werden muss. Es kann auch sein, dass Ihr Kind seine Enttäuschung dadurch zeigt, dass es negative Gedanken äußert: „Keines von den anderen Kindern mag mich!“, „Ich schaffe das nie“, „Ich gehe nie wieder in den Kindergarten (die Schule)!“ Fragen Sie in solchen Fällen immer sehr sensibel nach, was denn nun so schrecklich war. Dann können Sie behutsam herausfinden, was Ihrem Kind in einer bestimmten Situation am besten helfen könnte. Nehmen Sie ihm aber auch nicht alles aus der Hand, denn zu viel Unterstützung entmutigt. Vermitteln Sie vielmehr, dass Sie ihm zutrauen, eine Situation auch alleine zu bewältigen. Schon Kleinkinder möchten ihre Welt selbst erobern.

Und wenn der schiefe Turm aus Bausteinen einfach nicht stehen bleibt, wird er schließlich mit Wutgeheul umgestoßen. Hier sollten Sie sich mit Hilfe zurückhalten, denn ein Kleinkind lernt durch Versuch und Irrtum. Wenn Sie nun den Turm zu Ende bauen, entmutigen Sie es zutiefst. Besser ist es, wenn Sie auch kleine Erfolge in Form von zwei Bausteinen, die halten, bewundern. Bei älteren Kindern können aufbauende Gespräche Wunder wirken. Grundsätzlich sind Kinder wissbegierig, abenteuerlustig und neugierig auf das Leben. Das beinhaltet eben auch Lernen durch Misserfolg oder Enttäuschung. Seien Sie in diesem Fall einfach für Ihr Kind da – unabhängig davon, ob Ihre direkte Hilfe in einem bestimmten Fall nötig ist oder eher Ermutigung.

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Sabine Standenat

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