1. Mädchen neigen zur ängstlich-depressiven Verarbeitung und eher zu psychosomatischen Symptomen wie Bauchweh, Kopfschmerzen und Essstörungen.
2. Bei Buben kommt es oft zu Hyperaktivität und zu aggressiven Durchbrüchen; depressive Gefühle können mittels eines Clown- oder KlassenkasperlVerhaltens maskiert werden.
3. In schulischen Situationen fallen depressive Kinder eher durch Leistungsverweigerung auf. Dahinter stecken enorme Ansprüche an sich selbst und die Angst, zu versagen.
4. Mögliche Anzeichen sind eine gedrückte Grundstimmung, Antriebshemmung und ein Absinken der Leistungs- sowie Konzentrationsfähigkeit.
5. Bei manchen Kindern machen sich Stimmungsschwankungen und ängstliches Verhalten bemerkbar. Es kommt zu Anklammerungsverhalten und Schuldgefühlen bis zu Suizidwünschen.
6. Depressive Stimmung wird oft begleitet von körperlichen Symptomen wie Appetit- und Gewichtsverlust, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen.
7. Depressive Kinder sind oft unzufrieden und gereizt, sie zeigen wenig Aktivitäten, äußern Langeweile und die Kontakte sind eingeschränkt.

Die Früherkennung einer Depression und der offene Umgang mit der Erkrankung verhindern einen langen Leidensweg.
MAG. ELISABETH SCHEUCHER-PICHLER, Vizepräsidentin Hilfswerk Österreich
Welche Umstände können zu Depressionen führen?
SCHEUCHER-PICHLER Es gibt Situationen, die eine psychische Erschöpfung fördern. Das kann eine unschöne Trennung sein, ein Todesfall in der Familie oder eine erhöhte Stresssituation, die über einen längeren Zeitraum anhält.
Tragen manche Kinder ein erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken?
SCHEUCHER-PICHLER Laut Untersuchungen wirken sich psychische Erkrankungen in der Familie wie Depressionen, Alkoholerkrankungen oder Psychosen begünstigend aus. Ebenso erhöht ein Mutterverlust im ersten Lebensjahr das Risiko. Das gilt auch für emotional oder physisch verwahrloste familiäre Umgebungen oder für Gewalt- und Missbrauchserfahrungen.

Was sollen Eltern tun, die eine Veränderung ihres Kindes bemerken?
SCHEUCHER-PICHLER Das Wichtigste ist, dass sich Eltern dem Problem stellen und darüber sprechen, die Signale ernst nehmen, wenn sich das Kind in seinem Wesen verändert, und sich rasch Hilfe von Experten holen.
Was können Eltern tun, deren Kind an einer Depression erkrankt ist?
SCHEUCHER-PICHLER Unterstützend zu einer Therapie, die unumgänglich ist, müssen die Eltern versuchen, auf ihr Kind einzugehen. Ganz wichtig ist, dass man das Kind zu Tätigkeiten animiert wie Sport, Malen oder anderen Dingen, die dem Kind Spaß machen, offen damit umgeht und die Krankheit nicht tabuisiert, vor allem auch in der Schule mit den Lehrern darüber spricht. Aufgrund der Entwicklungen wird es hier auch notwendig sein, dass Pädagoginnen und Pädagogen in Zukunft besser auf die Früherkennung geschult werden.
Betroffene beklagen häufig, dass es schwierig sei, einen Therapieplatz zu bekommen.
SCHEUCHER-PICHLER Wir haben derzeit in Österreich leider die Situation, dass Betroffene sehr lange warten müssen. Das muss sich ändern. Es darf nicht sein, dass nach erstellter Diagnose monatelang nichts passiert. Zudem muss auch sichergestellt werden, dass jedes Kind, das an einer Depression erkrankt, eine leistbare Therapie bekommt bzw. eine Behandlung auf Krankenschein. Das Hilfswerk fordert beides seit Jahren, denn wer bereits im Kindes- und Jugendalter professionell behandelt wird, hat sehr gute Chancen, ein normales Leben zu führen.


