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Home » Spielroutinen: Über plumpsende Reiter und Zappelmänner
Gesund bleiben

Spielroutinen: Über plumpsende Reiter und Zappelmänner

adminVon adminSeptember 5, 2020Aktualisiert:März 4, 20263 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Spielroutinen in frühen Mutter-Kind-Interaktionen fördert die Produktion des „Liebeshormons“ Oxytocin bei Müttern und sozialer Kompetenz bei Babys.

Wie spielen Mütter mit ihren vier Monate alten Säuglingen und welche Mechanismen unterstützen frühe spielerische Handlungen? In einer neuen Studie ging Entwicklungspsychologin Gabriela Markova von der Universität Wien dieser Frage nach. Soziale Routinespiele wie „Hoppe, hoppe Reiter“ oder „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen“ sind ein fester und wichtiger Bestandteil von frühen Mutter-Kind-Interaktionen. Sie werden von Müttern zur Aufmerksamkeitslenkung, aber auch als Emotionsregulationsstrategie bewusst eingesetzt. Das Hormon Oxytocin unterstützt dabei dieses Verhalten.

Bereits im ersten Lebensjahr beginnen Eltern und ihre Kinder gemeinsam soziale Spiele und Spielroutinen zu gestalten. Diese kombinieren Rhythmus, Berührungen oder Gesten, Worte und Melodien miteinander. Wir wissen allerdings sehr wenig darüber, in welchen Situationen diese Spiele angewendet werden, wie sich Säuglinge daran beteiligen und welche Faktoren ihr Auftreten beeinflussen. In der aktuellen Studie wurden 43 vier Monate alte Säuglinge in natürlichen Interaktionen – ohne Spielzeug und ohne spezielle Instruktionen – mit ihren Müttern beobachtet. Das Augenmerk der Forscherinnen lag auf natürlich auftretenden und multimodalen Spielroutinen. Zusätzlich sammelten sie mehrere Speichelproben von Babys und Müttern, um das Hormon Oxytocin zu messen. Oxytocin, auch bekannt als „Liebeshormon“, spielt eine besonders wichtige Rolle in frühen Mutter-Kind-Interaktionen. Das Ziel war es daher zu untersuchen, ob und welche Funktion Oxytocin im frühen sozialen Spiel einnimmt.

Soziale Spielroutinen konnten in rund 77 Prozent der Mutter-Kind-Dyaden beobachtet werden. Mütter und ihre Babys verbrachten im Schnitt ein Drittel ihrer Interaktionszeit mit Spielen, und die Wissenschaftlerinnen identifizierten 46 unterschiedliche Spiele. Mütter begannen soziale Spielroutinen hauptsächlich in Situationen, wenn ihre Kinder abgelenkt von der Interaktion mit ihnen oder auch frustriert waren. Im Vergleich zur restlichen Interaktionszeit zeigten Babys mehr positiven Affekt während des Spielens, generell konnten Spiele die Grundstimmung des Kindes aber nicht verändern. Während es bei Müttern, die viel mit ihren Kindern spielten, zu mehr Oxytocin-Ausschüttung nach diesen Interaktionen kam, konnte bei Säuglingen, unabhängig von ihrem Geschlecht, interessanterweise nach besonders spielreichen Interaktionen weniger Oxytocin im Speichel nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse deuten auf eine regulierende Wirkung von frühen sozialen Spielroutinen hin, die sich sowohl auf der Verhaltensebene als auch der physiologischen Ebene beobachten lässt.

„Bereits Piaget – ein Pionier der kognitiven Entwicklungsforschung – hat geschrieben, dass das Spiel die Antwort darauf ist, wie etwas Neues entsteht. Frühe soziale Spielroutinen können die Entwicklung komplexer sozialer Kompetenzen bei Babys insofern unterstützen, indem sie es Säuglingen ermöglichen, an frühen Interaktionen mit anderen aktiv teilzunehmen und somit ihr soziales Verhaltensrepertoire zu erweitern“, sagt Gabriela Markova: „Die Wichtigkeit von Spiel wird in der heutigen Gesellschaft oft unterschätzt, doch die Ergebnisse dieser Studie zeigen deutlich, dass Spielen bereits in sehr frühen Interaktionen mit Anderen einen festen Platz hat“.

Die gesamte Studie wurde in „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht:

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