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Home » Studie: Wer von einem frühen Schulstart profitiert
Bildung

Studie: Wer von einem frühen Schulstart profitiert

guest-dummy-7a34b540-6148-4140-b51b-07978d9a9906Von guest-dummy-7a34b540-6148-4140-b51b-07978d9a9906Jänner 20, 20214 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Mit welchem Alter sollen Kinder mit der Schule beginnen? Die Autoren einer englischen Studie zum frühen Schulstart sehen durchaus Vergleichbarkeiten zwischen UK und dem deutschsprachigen Raum.

n der Frage des bestmöglichen Einschulungsalters, scheint das Pendel derzeit wieder in Richtung eines späteren Beginns auszuschlagen, wie etwa das Berliner Beispiel lehrt, wo der Stichtag aufgrund von Elternprotesten wieder nach hinten rückt. Auch in Nordrhein-Westfalen hat jüngst eine Petition starken Zulauf gefunden, mit der Eltern für eine spätere Einschulung kämpfen. Seitens der Wissenschaft ergibt sich ebenfalls kein klarer Hinweis. Sehen einige Forscher in einer möglichst frühen Einschulung ein Beitrag zur Erhöhung der Chancengleichheit, gehen andere von genau der gegenteiligen These aus. Wieder andere, plädieren für eine stärkere Flexibilisierung.

Einen neuen Beitrag zur Debatte leistet jetzt eine Studie der Ökonomen Thomas Cornelissen und Christian Dustmann vom Centre for Research and Analysis of Migration (CReAM) am University College London. Jungen aus benachteiligten Elternhäusern profitieren besonders stark von einem frühen Schulbesuch, fanden sie heraus. Bildungsunterschiede zwischen Kindern aus sozial benachteiligten und aus privilegierteren Familien würden um bis zu 60-80% verringert.

Die Studie basiert auf regionalen Unterschieden in der Einschulungspraxis in die erste Grundschulklasse in England (reception class). Während in den meisten Kommunen alle Kinder im Alter zwischen vier und fünf Jahren zum Schuljahresbeginn eingeschult werden, wurde in der Vergangenheit in einigen Gemeinden die Einschulung der allerjüngsten Kinder um ein oder zwei Trimester zurückgestellt. Die zum Schuljahresbeginn eingeschulten Kinder besuchen die erste Grundschulklasse daher um einige Monate länger als die zurückgestellten. In anderen Merkmalen, wie etwa dem Familienhintergrund oder dem Alter der Kinder unterscheiden sich die beiden Vergleichsgruppen jedoch nicht.

Die ermittelten positiven Effekte des längeren Grundschulbesuchs besonders für Jungen aus benachteiligten Elternhäusern waren bis ins Alter von elf Jahren nachweisbar und verbesserten unter anderem das Verhältnis zu Lehrern und das Interesse an Bildung und verringern die Tendenz zu störendem Verhalten.

Für Jungen aus benachteiligten Elternhäusern verbessert der frühe Schulbesuch außerdem ihre sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten im Alter von 5 Jahren (um 16-20%), ihre soziale und emotionale Kompetenz im Alter von fünf Jahren (um 5-8%), und ihre sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten im Alter von sieben Jahren (um ca. 10%).

Die durchschnittlichen Effekte für alle Kinder waren aber ebenfalls positiv. So erhöhte ein zusätzliches Trimester (vier Monate) des frühen Grundschulbesuches sprachliche und mathematische Fähigkeiten im Alter von fünf Jahren um 6-10%, und im Alter von 7 Jahren um 2%. Im Alter von elf Jahren allerdings waren diese Effekte auf kognitive Fähigkeiten größtenteils verschwunden.

Länger anhaltende Effekte zeigten sich hinsichtlich nichtkognitiver Fähigkeiten. Diese umfassen etwa motorische, kreative, soziale und emotionale Fähigkeiten, sowie das Verhältnis zu Lehrern, das Interesse an Bildung, und eine verringerte Tendenz zu störendem Verhalten. Die Studie zeigt, dass ein früher Schulbesuch diese Fähigkeiten im Alter von fünf, sieben und elf Jahren positiv beeinflusst.

Inwieweit die Ergebnisse auch für Deutschland oder Österreich relevant sind, erläutert Studienmititautor Thomas Cornelissen, Professor an der Universität York: „Mit dem Alter von vier bis fünf Jahren beginnt in Großbritannien die Grundschule im internationalen Vergleich extrem früh.“ Die Forschungsergebnisse zeigten nun, dass diese frühe Einschulung keine negativen Effekte habe. Vielmehr erhöht der frühe Schulbesuch verschiedene soziale Fähigkeiten im Alter von fünf, sieben und elf Jahren, und möglicherweise darüber hinaus.“

Entgegen der Tendenz unter deutschen und österreichischen Eltern, die eine spätere Einschulung bevorzugten, zeigten die Forschungsergebnisse, dass es möglich sei, Kinder schon ab dem Alter von vier Jahren ohne negative Konsequenzen einzuschulen. „Allerdings“, schränkt Cornelissen ein, „erfordert dies natürlich, dass die Schule für die entsprechende Altersgruppe kindgerecht gestaltet ist, so wie es in Großbritannien der Fall ist.“

Inwieweit sich die Ergebnisse angesichts der Verzahnung zwischen vorschulischer Bildung im Kindergarten und der schulischen Bildung in Deutschland auf die deutsche Situation übertragen ließen, lies Cornelissen offen. Der Idee gestaffelter Einschulungstermine erteilte er allerdings eine Absage: „Bisweilen wird in Deutschland die Idee mehrerer Einschulungstermine im Laufe eines Schuljahres als Möglichkeit diskutiert, Kindern den Übergang aus der Kita in die Schule zu erleichtern. In unserer Studie haben wir genau solch ein System evaluiert, in dem die jüngsten Kinder einer Schulkohorte die Möglichkeit hatten ein paar Monate später in das erste Schuljahr einzutreten. Unsere Ergebnisse zeigen: Die zurückgestellten Kinder sind dann beim Schuleintritt zwar älter, sie leiden aber gleichzeitig darunter, dass ihr erstes Schuljahr im Vergleich zu ihren früher eingeschulten Klassenkameraden um einige Monate kürzer ist. Unseren Forschungsergebnissen zufolge ist der Gesamteffekt der Rückstellung deshalb negativ. In einem System mit mehreren Einschulungsterminen im Laufe eines Schuljahres muss also sehr viel Wert darauf gelegt werden, dass den später eingeschulten Kindern kein Nachteil entsteht.“

Die Studie ist als „ Discussion Paper“ auf den Webseiten des CReAM erhältlich (engl.)

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