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Home » „Wir können von Kindern lernen, im Hier und Jetzt zu leben“
Bildung

„Wir können von Kindern lernen, im Hier und Jetzt zu leben“

Heide-Marie SmolkaVon Heide-Marie SmolkaJuni 6, 20184 Minuten Lesezeit
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Psychologin und Glücksforscherin Heide-Marie Smolka über Spielverderber unseres Glücks – und wie man Glück trainieren kann.

Sind Kinder glücklicher als Erwachsene?
Prinzipiell sind sie glücklicher und lachen öfter – durchschnittlich 400-mal am Tag. Erwachsene hingegen lachen nur zehnmal täglich. Die meisten Kinder, und da vor allem die kleinen, sind mit ihrer Aufmerksamkeit fast immer in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Wenn ein Kind einen Lego-Turm baut, gibt es nur diesen Turm und das Kind – sonst nichts. Das ist eine große Kunst, die wir Erwachsene uns mühsam antrainieren müssen.

Kann man das Glücklichsein lernen?
Ja, das ist ein Ergebnis der Gehirnforschung. Der erste Schritt ist, dass ich mir bewusst werde, was meine persönlichen Glücks-Spielverderber sind. Worüber ärgere ich mich? Wie lange ärgere ich mich? Wärme ich einen Ärger immer wieder auf, indem ich darüber nachdenke oder darüber spreche, erzähle? Leider verderben wir uns das Glück oft durch Gedanken wie innere To-do-Listen, die einen in die Zukunft ziehen. Das führt zu Zeitdruck und Stress. Wenn ich hingegen übe, dass ich der Zukunft ein Stoppschild hinstelle und im Jetzt bin schaffe ich schon eine gute Basis für Glück. Was wir noch von Kindern lernen können: keine Erwartungen zu haben. Gerade kleine Kinder gehen ohne Erwartung durch die Welt. Erwachsene hingegen haben oft an eine Situation hohe Erwartungen – und das birgt die Gefahr von Enttäuschungen.

Es sind also mehrere Schritte zum Glück?
Genau. Der erste ist, dass man bewusst wahrnimmt, wie oft man im Lauf des Tages in welcher Emotion ist. Der zweite, dass man aktiv eingreift und sich überlegt, was man sich Gutes tun kann. Wenn man sich Nachrichten mit den vielen negativen Inhalten ansieht, wird es einem nachher wohl eher nicht so gut gehen. Wenn ich aber einen Spaziergang mache und mit meiner Familie ein Gesellschaftsspiel spiele, dann wird es mir gut gehen, und ich trainiere diesen Zustand.

Vor 100 Jahren waren die Menschen laut Studien glücklicher. Woran liegt das?
Die Glücksforschung bestätigt, dass die Glückskurve nach denKriegsjahren angestiegen und dann abgeflacht und sogar leicht hinuntergegangen ist – obwohl der Wohlstand gestiegen ist. Wir sind heute schon zu satt, zu satt an Konsum. Es ist wie wenn ich jemandem ein Butterbrot anbiete. Wenn er richtigen Hunger hat, freut er sich immens über ein Butterbrot. Wenn er aber kurz davor in einem Gourmettempel ein mehrgängiges Menü gegessen hat, wird das Butterbrot abgelehnt werden. Das ist eine schöne Metapher für unsere Zeit. Denn Überkonsumation ist ein Glückskiller.

In welcher Hinsicht?
Heutzutage werden Wünsche zu schnell erfüllt, und lange auf etwas Warten und sich dann sehr darüber freuen, das gibt es nicht mehr. Manchmal wird auch schlechtes Gewissen, weil man nicht genug Zeit für die Kinder hat, mit Geschenken kompensiert. Das ist langfristig gesehen kontraproduktiv, um das Kind glücklich zu machen.Wenn Kindern alle Wünsche sofort erfüllt werden, kennen sie diesen Belohnungsaufschub nicht mehr. Man erzeugt so nur ein Scheinglück, bei dem Konsum als Belohnung und Zuwendung gilt.

Was sind andere Glückskiller?
Aus der Stressforschung weiß man, dass die sogenannten „Daily Hassles“, die kleinen Ärgernisse des Tages, in Summe viel ausmachen, weil sie Stress erzeugen. Genau diese Ärgernisse gilt es, aktiv zu meiden. Ein Beispiel: Mir fährt der Bus vor der Nase davon. Es ist zulässig, dass ich mich darüber ärgere, dass ich ihn nicht erwischt habe, aber ich kann mir auch denken „Der ist jetzt weg, und es bringt gar nichts, wenn ich mich ärgere.“ Es ist jedoch nicht das Ziel des Glückstrainings, dass ich nie mehr in einer unangenehmen Emotion bin. Diese haben ihre Berechtigung und sollen stattfinden dürfen.

Wie soll man dann mit Glückskillern umgehen?
Die drei großen Fragen dabei sind: Wie stark? Wie lange? Wie oft? Hier kann man gegensteuern – dass die Emotion nicht zu intensiv, zu lange und zu häufig stattfindet. Es kann außerdem ansteckend sein, unglücklich zu sein. Wenn die Eltern oft raunzen, lernen das die Kinder schnell und übernehmen diese Emotionen.

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Heide-Marie Smolka

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