Erziehung

Wünsche und die Zauberkugel

Nicht immer gelingt es Kindern, von sich aus Wünsche zu äußern. Da hilft die „Zauberkugel“ den Kleinen und Großen und zeigt uns einen Weg, wie man Wünsche zum Ausdruck bringen kann.

Heute lade ich Sie ein, in die Welt der Kinderträume, eine Welt der Magie einzutauchen. Es sind jene Wünsche, die man nicht mit Geld erfüllen kann, jene, die aus dem tiefsten Inneren kommen und jene, die unsere Sehnsüchte und Hoffnungen offenbaren oder unsere Ziele.

In unserer schnelllebigen, materialistischen Zeit geht der Blick für innere Werte, für Momente der Begegnung manchmal verloren, allzu oft hemmt der Kopf unser Fühlen, allzu oft sind Bilder schon am Handy, am Tablet, am Fernseher oder der Spielkonsole vorgegeben und wir brauchen unsere Phantasie nicht mehr. Mit einer einfachen Kristallkugel betreten wir den nonverbalen Raum, einen Ort, wo wir uns unseren Gefühlen öffnen und die laute, schnelle, materielle Welt mit all ihren zeitweise hindernden Gedanken hinter uns lassen. Das Unbewusste, dem wir so begegnen, ist größer und umfassender als wir glauben und wir können uns auf unser Unterbewusstsein verlassen. Es gehört nur uns und mithilfe der Zauberkristallkugel weiten wir den Blick in uns, lassen Wünsche und Sehnsüchte auftauchen und holen tiefe Emotionen in unser Bewusstsein. Wir wecken gleichzeitig den Glauben an uns, an unsere Ziele, lernen sie zu formulieren und in Folge an ihnen festzuhalten.

Beschäftigung mit der Kristallkugel ist nicht Erziehung, sondern Beziehung zum Kind oder auch zu uns selbst. Wir achten die inneren Bedürfnisse des Kindes, nehmen sie dadurch ernst, geben ihnen einen sehr hohen Wert, dem Kind und uns Wertschätzung. Gefühle und Gefühlsräume sind wesentliche Leitplanken unseres Denkens.
Verwendet man die Kristallkugel in regelmäßigen Abständen (zum Beispiel einmal monatlich), so entwickelt sich die Beschäftigung mit ihr zu einem Ritual der Hoffnung, sie entwickelt den Glauben und die Gewissheit, dass schon alles da ist und wir es nur finden brauchen.

Was wir für unsere Reise brauchen

Ich persönlich bevorzuge ein ruhiges Zimmer mit Teppich und schalte alle Lärm- und Geräuschquellen aus. Es gibt kein Handy, keinen Fernseher, kein Radio, keine Türglocke, keinen surrenden Kühlschrank und auch keine miauenden Katzen oder bellenden Hunde, nach Möglichkeit auch keine Straßengeräusche. Es muss ruhig sein. Das Einzige, was ich ab und zu verwende, ist entspannende Klaviermusik im Hintergrund, jedoch nur so laut, dass man sie gerade einmal wahrnimmt. Manchmal breite ich eine Kuscheldecke über dem Teppich aus und lege einige Kissen rundherum. In der Mitte vor mir liegt ein wunderschönes Samttuch, darauf kunstvoll platziert meine Kristallkugel umringt von einer Lichterkette mit Herzen, denn wir schwingen uns auf unser Herz ein. Allem Angerichteten soll ein Zauber innewohnen, es ist ein besonderes Ritual, dem ich mich widme, die Kristallkugel etwas ganz Besonderes, etwas Magisches. Wer möchte, unterstreicht die Mystik und Feierlichkeit gerne mit einer brennenden Kerze und verwandelt das Licht des Raumes in ein heimelig dämmriges.

Wir dürfen beginnen

Ich setze mich mit dem Kind im Schneidersitz auf den Boden, wir haben keine Schuhe an. Ab jetzt spreche nur mehr ich, das Kind hört zu. Ich achte auf eine extrem ruhige, sehr langsame Aussprache und mache zwischen meinen Sätzen längere Pausen. Manche Kinder können erst nach mehreren Zauberkugelreisen beruhigt die Augen schließen, das macht gar nichts, das Kind muss sich wohl fühlen. Die Kristallkugel darf man sich zu Beginn in die Hände legen oder ich gebe sie dem Kind, wenn es in den Entspannungszustand eingetaucht ist. Beim ersten Mal Träumen mit der Zauberkugel kann das etwa so klingen: „Heute habe ich eine Zauberkugel mitgebracht, das ist etwas ganz Besonderes. Sie wird dir helfen, genau zu sehen, was in dir vorgeht. Schließ, wenn du möchtest, sanft deine Augen. Leg deine Handflächen auf deine Oberschenkel, lass deinen Kopf ein bisschen zur Brust sinken. (Oder: Nimm ganz behutsam die Kugel in deine Hände und lege sie in deinen Schoß. Halte sie die ganze Zeit über vorsichtig in Händen.)

Atme tief ein und ganz langsam wieder aus. (Mit dem Kind gemeinsam einige tiefe Atemzüge machen.) Spüre die Unterlage, auf der du sitzt, den Boden, der dich trägt. Versuche dich nicht zu bewegen, sondern zu spüren. Wie fühlen sich deine Füße an, sind sie warm oder kalt? Prickeln sie vielleicht, kannst du deine Zehen spüren? Wie fühlt sich dein linkes Bein an, ist es schwer oder leicht? Kannst du spüren, wo es dein anderes Bein berührt? Beobachte dein linkes Knie, es beugt dein Bein. Geh nun zum rechten Bein, was spürst du? Versuche zu fühlen, wie sich dein rechtes Knie anfühlt, wo hat dein Bein Kontakt zur Unterlage? Atme ein und langsam wieder aus. Spüre deinen Atem wie er kommt und geht, ganz von alleine. Bemerke, dass du stabil auf dem Boden sitzt, fühle dein Gesäß. Nun geh weiter mit deiner Aufmerksamkeit zu deinem Rücken. Er stärkt dich. Wie fühlt er sich an? Ist er gerade oder gebeugt, ist es dort warm oder kalt? Spüre deine Schultern, lass sie locker hängen und entspanne sie. Beobachte deine Arme, die Ellbogen und deine Hände mit allen Fingern. Kannst du deine Finger spüren? Wie fühlen sich die Hände an, entspanne sie. Atme tief ein und ganz sachte wieder aus. Spüre, wie dein Atem durch die Nase in den Körper fließt, all deine Organe mit Sauerstoff versorgt, um dann langsam wieder aus der Nase hinauszufließen. Ist dein Atem warm? Wo kannst du das Atmen am besten fühlen? Im Brustkorb, im Bauch oder vielleicht im Rücken? Dein Körper atmet ganz von allein, ein ganzes Leben lang.

„Wünsch dir etwas, von dem du schon lange träumst. Und dann schau in die Kugel. Dort siehst du deinen größten Wunsch in Erfüllung gehen.“

Eine wunderbare Sache, auf die du dich verlassen kannst. Spüre nun deinen Hals, deinen Nacken und mach ihn ganz locker und weich. Beobachte dein Gesicht. Entspanne die Stirn, die Augen, deine Wangen und deinen Mund. Atme und beobachte. Wir atmen ein und langsam aus. Und während du ganz ruhig und friedlich weiteratmest, wandert dein Blick mit dir gemeinsam in die Zauberkugel. Dort siehst du deinen größten Wunsch in Erfüllung gehen. Es geht dabei nicht um Dinge, die man kaufen kann. Wünsche dir etwas, von dem du schon lange träumst. Etwas, das zum Beispiel sein soll, damit alles in deinem Leben wunderbar ist. Was kannst du sehen? Du musst nicht antworten, nur beobachten. Atmen und beobachten. Wer ist in der Kristallkugel zu sehen, was passiert? Sieh in aller Ruhe zu und beobachte. Alles darf sein, was da ist. Schau ganz genau hin. Spüre die Kugel in deinen Händen, du hast alles in der Hand.“
Hier verweile ich einige Minuten in der Phantasiewelt und rege nur immer wieder zu ruhigem Atmen an. Manche Kinder fühlen sich sehr wohl, wenn man eine Hand auf ihre Schulter legt.
So werden Wünsche zum Leben erweckt.

„Erzähle mir bitte, was du in der Kristallkugel siehst!“ Nun soll das Kind ganz genau beschreiben, was es wahrnehmen kann und ich frage nach Details in etwa so: „Was hast du an? Wer ist noch bei dir? Kennst du diese Person? Ist da auch ein Tier oder sind sogar mehrere Tiere da? Wie alt bist du, wenn du dich dort siehst?“
Je nachdem, was das Kind berichtet, lenke ich die Fragen, um ein möglichst genaues Bild vom Wunsch des Kindes zu bekommen.

Das magische Denken der Kinder

Danach bitte ich das Kind, sich noch einmal ganz genau in der Kugel umzusehen und sich das Bild zu merken, so, als würde man ein Foto machen.
Kinder haben von sich aus einen völlig natürlichen Zugang zu Magie und Mystik. Im Alter zwischen drei und sieben Jahren vollzieht sich das sogenannte magische Denken. Es erweckt Zauberwesen zum Leben, lässt Wolken weinen wenn es regnet, macht Kuscheltiere zu lebendigen Freunden, manchmal werden Krokodile unter dem Bett gefüttert. Diese Form des Fühlens und Denkens ermöglicht es Kindern, ihre Wünsche zu einem Bild zu formen, ihre Ängste in Lebewesen oder Fabelwesen zu verwandeln, ihren Sehnsüchten eine Gestalt zu geben. Selbst wenn unser Denken sich nach dem siebenten Lebensjahr in eine realistische Bahn begibt, so sind jene Denkstrukturen dennoch in uns allen angelegt und vorhanden. Wir können uns ihrer auch als Erwachsene in entspanntem Zustand bedienen.

Wir reisen zurück

„Wenn du sicher bist, dass du dir alles wie auf einem Foto gut merkst, dann atme langsam ein und aus und spüre deinen Atem in die Nase gehen, in deinen Brustkorb und wieder hinaus.“ Auf diese Weise stelle ich den Kontakt mit dem eigenen Körper wieder her, wir verlassen die Zauberkugel mit ihrem uns anvertrauten Wunschbild, jedoch ganz behutsam und langsam, etwa so, wie wir eingetaucht sind. „Spüre deine Beine, deinen Rücken und Bauch, deine Arme und deinen Kopf. Nimm die Luft um dich herum wahr und erinnere dich an den Raum, in dem wir sind. Bewege langsam deine Finger, gähne ein bisschen und strecke dich und wenn du dazu bereit bist, dann öffne deine Augen.“

Safeplace- Lieblingsort und Krafttier

Die Möglichkeit des magischen Phantasierens und Wunschäußerns dürfen wir uns auch zunutze machen, indem wir die Wünsche in eine gezielte Richtung lenken. Dies kann zum Beispiel sehr hilfreich sein, wenn Kinder schlecht einschlafen, wenn sie schüchtern sind und schwer Anschluss finden, wenn sie Ängste haben und sich allein fühlen, oder einfach nur eine Möglichkeit brauchen, sich zu entspannen. In diesem Fall führen wir das Kind oder uns mithilfe der Kristallkugel an einen völlig sicheren Ort mit allen Möglichkeiten, wir lassen einen Traumplatz entstehen, der nur dem Kind oder uns gehört, den man in Gedanken immer aufsuchen kann, wenn uns danach ist. Begonnen wird auch hier mit der völligen Entspannung des Körpers im Ruhezustand mit unserer Zauberkugel in der Mitte oder in Händen. Während der gesamten Übung wird langsam gesprochen, vor allem beim Entstehen des Lieblingsortes müssen unbedingt Pausen beim Sprechen eingehalten werden, um der Phantasie Zeit zu lassen. Dann wünsche ich das Kind oder den Erwachsenen an einen ganz besonderen Ort, den wir in der Phantasie wie folgt entstehen lassen:

„Wenn du das nächste Mal einatmest, stell dir bitte vor du kommst an einen wunderschönen Platz, ganz friedlich und herrlich. Sieh dich um. (Pause) Wo bist du hier? Was für Kleidung trägst du? Ist noch jemand bei dir? Hier gibt es nur gute Wesen, siehst du vielleicht Tiere? Oder Feen oder Zauberer? Was kannst du hören? (Pause) Kannst du vielleicht sogar etwas riechen? Wie ist der Boden unter deinen Füßen, gibt es Blumen oder Pflanzen? Wie ist das Wetter, fühlt es sich dort warm an oder kalt?
Sieh dir alles ganz genau an, es ist dein sicherer Ort, hier ist alles in bester Ordnung. Hier fühlst du dich wohl. Du allein bestimmst über diesen wunderbaren, sicheren Platz, er gehört dir. Hierher kannst du immer kommen, wenn du deine Augen schließt, hier kannst du dir alles wünschen.
Mach nun noch einen letzten Blick auf deinen Ort, so, als würdest du ein Foto davon machen.“

Anschließend beginnen wir mit der Reise zurück.
Ähnlich läuft das Herbeiwünschen eines Krafttieres ab. Hierbei wünscht sich das Kind ein Tier, egal welches, alles ist erlaubt. Das Tier darf sprechen, fliegen, zaubern, ein Fabeltier sein oder eines, welches es tatsächlich gibt. Von Ameisen bis Elefanten, Spinnen und Schlangen, Wölfen, Einhörnern und Katzen bis hin zu Siebenschläfern oder Schildkröten, es ist alles erlaubt, was in der Phantasie auftaucht. Dieses Tier ist ein Beschützer, ein Wegbegleiter, ein Aufmunterer, ein Geheimnishüter, ein bester Freund.

Phantasieanregende Worte hier mit entsprechenden Pausen könnten sein: „Wie groß ist dein Tier, welche Farbe hat es? Kannst du die Beine sehen, wie viele sind es? Greif deinen Freund an, wie fühlt er sich an, ist er weich, warm, wuschelig? Sieh dir sein Gesicht an! Wie sehen die Augen aus, wie der Mund? Spricht dein Tier mit dir? Wie riecht es? Was frisst es am liebsten?“
Wir stellen uns wieder vor, ein Foto zu machen und reisen dann zurück.

Aus Wünschen entstehen Bilder

Jetzt können wir unsere Wunschphantasien kreativ zum Ausdruck bringen. Mit Farben, Naturmaterialien, Stoffen oder Zeitungsbildern gestalten wir möglichst ohne zu sprechen das, was uns unser Innerstes offenbart hat. Was sie nun entdecken ist das Gefühlsleben ihres Kindes oder jenes Menschen, der sich der Kristallkugel anvertraut hat. Pflegt man das magische Denken, so hat man auch im realen Leben Zugang zu vielfältigen Ideen, zu Kreativität und Problemlösungsstrategien. Denkprozesse werden geweitet und um heilsame Gedanken ergänzt, die unser Leben nur bereichern können.

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