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Home » Sparen anno dazumal
Familienzeit

Sparen anno dazumal

Barbara FohringerVon Barbara FohringerNovember 28, 2022Aktualisiert:April 7, 20266 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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So wurde früher gespart: Die Generation 60 plus weiß vielfach noch aus der Kindheit und Jugend, wie sich Geld sparen lässt. Vier von ihnen erinnern sich zurück – und geben nützliche Tipps.

Energiekrise, Inflation und die daraus resultierenden Teuerungen – sparen wird für immer mehr Menschen zur Notwendigkeit. Durchschnittlich legen Österreicher*innen 259 Euro pro Monat zurück, aber aktuell ist dies für viele nicht mehr möglich, da die täglichen Kosten gestemmt werden müssen. Im September 2022 betrug die Inflation 10,5 Prozent – das ist der höchste Wert seit 70 Jahren. Die Auswirkungen der Teuerungswelle merken Hilfs- und Sozialeinrichtungen besonders stark und auch Menschen über 60 mag die aktuelle Situation eventuell an früher denken lassen, denn in den Nachkriegsjahrzehnten mussten besonders viele Menschen aufs Geld achten. Die heute 69-jährige Ingrid Pruckner hat als Frisörin gearbeitet, nun ist sie in Pension. Vor allem die Zeit als ihre Kinder klein waren und nur eine Person im Haushalt zum Einkommen beitragen konnte, war für sie und ihre Familie finanziell einschränkend. Auf die Frage, wie wiederum in ihrer Kindheit bzw. Jugend gespart wurde, antwortet die Pensionistin: „Unter der Woche gab es kein Fleisch und es wurde viel selbst gemacht – Marmelade, Säfte – und viel eingekocht.“ Ihre Kindheit sei dennoch schön gewesen, „obwohl wir vieles nicht hatten“, merkt Ingrid Pruckner an.

Einnahmen und Ausgaben Martin Hinterhofer wiederum empfand die Zeit vor seinem HTL-Abschluss als finanziell besonders prekär: „ 1978 – noch vor Abschluss der HTL-Matura – wurde geheiratet. Nur fünf Monate später kam mein Sohn zur Welt, was eine eigene Wohnung erforderlich machte. Wir entschieden uns für eine bescheidene Eigentumswohnung, für welche wir eine nicht unerhebliche Anzahlung bzw. Eigenleistung aufbringen mussten, bevor ein erstes, eigenes Einkommen auf meinem Konto einging. Dies war nur möglich, da ich bereits in der Schulzeit einem Nebenjob nachging.“ Der heute 64-Jährige war zuerst als technischer Angestellter tätig und 1989 wechselte er in den touristischen Bereich. Heute ist er Geschäftsführer einer Firma, die führerscheinfreie Hausboote zur Miete anbietet. Als Unternehmer kennt er die Relevanz von Ein- wie Ausgaben – auch im Haushalt: „Jedes Haushaltsbudget kann (fast) nur über die Ausgabenseite in Ordnung gehalten werden – wenn man das begriffen hat, wird man mit (fast) jedem Einkommen auskommen. Die Ausgaben sind wesentlich einfacher zu beeinflussen als das Einkommen – das war immer so und wird immer so sein!“ Einen bescheidenen Lebensstil haben ihm aber bereits seine Eltern und Großeltern vorgelebt. Durchaus selbstkritisch erinnert sich Hinterhofer daran, dass man sich früher viel mehr über Kleinigkeiten gefreut habe, etwa ein gutes Essen zu einem Anlass, kleine Geschenke oder einen Ausflug. Heute sieht er bei vielen Menschen eine große Unzufriedenheit: „Und jetzt frage ich mich, womit kann man heute jemandem – oder auch sich selbst – eine Freude machen? Das wird immer schwieriger, weil jeder alles hat und trotzdem unzufrieden ist.“

Licht abdrehen und sparsam vorkochen Für die Pensionistin Angelika Fischer, die früher als Assistentin der Geschäftsführung arbeitete, war die Zeit als alleinerziehende junge Mutter eine große finanzielle Herausforderung. Immerhin hatte ihre Familie ihr viel zum Thema Sparen vorgelebt, wie die heute 68-Jährige erzählt: So sei es in ihrer Familie gängig gewesen, Geschirr nicht unter laufendem Wasser zu spülen, das Licht abzudrehen und beim Kochen den Deckel auf den Topf zu geben, um die Restwärme zu nutzen. Ebenso wurde oft für mehrere Tage vorgekocht. Die Wäsche sei nicht mehrmals pro Woche, sondern nur einmal pro Monat gewaschen worden, erinnert sich Fischer. Kinderkleidung wurde aufgetragen und nicht jeder Raum beheizt. „Im Schlafzimmer war es bitterkalt, aber die Daunentuchent war gefühlt ein Meter hoch, also war es nach kurzer Zeit mollig warm.“ Zum Thema Nahrung fällt ihr ein: „Lebensmittel wurden nur regional eingekauft und saisonal gekocht. Erdbeeren im Winter kannte keiner.“ Auch Putzmittel habe ihre Familie damals selbst hergestellt (zum Beispiel mit Natron, Zitronensäure, Essig und Soda) – alleine schon, weil fertige Putzmittel oft nicht zur Verfügung standen. An ihre Kindheit hat Angelika Fischer dennoch positive Erinnerungen – trotz finanzieller Engpässe: Ihre Eltern seien zwar nie auf Urlaub gefahren, sondern zu Verwandten aufs Land. „Uns hat es an nichts gefehlt, wir kannten es ja nicht anders und bei allen Bekannten und Nachbarn war es auch nicht anders.“

Nichts wegwerfen „Besonders herausfordernd war die Zeit meiner Kindheit und Jugend bis zum Beginn meiner Erwerbstätigkeit“, erklärt Horst Sinkovics. Der heute 64-Jährige ist seit zwei Jahren in Pension und war davor in verschiedenen Berufen – Reisebürokaufmann, Speditionskaufmann und IT-Leiter – tätig. In seiner Kindheit bzw. Jugend habe er kein Geld zu freien Verfügung gehabt, viele Wünsche seien offen geblieben. „Zum einen hatten meine Eltern wegen des Hausbaus wenig Geld zur Verfügung und zum anderen durfte ich mein Taschengeld auch nicht so einfach ausgeben, ohne meine Eltern gefragt und die Zustimmung eingeholt zu haben“, so Sinkovics. Zu besonderen Anlässen habe es zwar diverse größere Geschenke gegeben, aber diese entsprachen oft nicht den Wünschen. Schuhe und Kleidung wurden so lange getragen, „bis sie nicht mehr gepasst haben.“ Auch sonst wurde in seiner Familie gespart: Moden seien kein Thema gewesen, Urlaube ebenso wenig – mit der Ausnahme von Aufenthalten bei den Großeltern in Oberösterreich. „Grundsätzlich galten einige Prinzipien: Weggeschmissen wird gar nichts, solange es noch irgendeinen Verwendungszweck gibt. Und wenn Brauchbares abgegeben worden ist, dann hat man es im Ort Bedürftigen angeboten oder in der Nachbarschaft weitergegeben“, erzählt er. Essen durfte nicht verschwendet werden, manchmal wurde es mit Nachbarn getauscht, und es wurde nur gekauft, was benötigt wurde. „Ein gutes Leben war möglich, zumal es uns nicht an Lebensmitteln gemangelt hat. Wir hatten niemals Hunger. Es war bloß einfach absolut kein Luxus vorhanden.“ Der erste Fernseher sei damals eine Sensation gewesen, auch sonst habe die eigene Kreativität genutzt werden müssen, um die Freizeit kostengünstig bzw. kostenlos zu gestalten, wie er abschließend erzählt: „Wichtig war uns daher, Freunde treffen zu können. Und weil es kaum leistbar war, in ein Kaffeehaus oder Gasthaus zu gehen, haben wir einander irgendwo auf einem Dorfplatz getroffen, wo ein paar Bänke aufgestellt waren. Dort gab es dann stundenlange Gespräche über Gott und die Welt; so lange, bis es entweder stockfinster oder zu kühl zum Draußenbleiben geworden war.“

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Barbara Fohringer

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