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Home » Umfrage: Hausaufgaben sind für viele reine Zeitverschwendung
Bildung

Umfrage: Hausaufgaben sind für viele reine Zeitverschwendung

Christian NeuholdVon Christian NeuholdMärz 29, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Eine aktuelle österreichweite Umfrage unter 1.194 Schüler*innen im Alter von 10 bis 19 Jahren zeigt eine überwiegend kritische Haltung gegenüber Hausaufgaben. 85 Prozent der Befragten geben an, Hausübungen würden ihnen Zeit stehlen, etwa für Prüfungsvorbereitung oder Freizeit. Nur rund ein Drittel hält Hausaufgaben für sinnvoll und sieht darin einen nachhaltigen Lernzuwachs. Eltern hingegen bewerten Hausübungen sehr viel positiver, nehmen aber Belastungen und auch Ablenkungen durch das Smartphone deutlich weniger wahr. Die Online-Erhebung wurde vom Nachhilfeinstitut LernQuadrat gemeinsam mit dem Bundeselternverband durchgeführt. Zusätzlich wurden 404 Eltern befragt.

Unreflektierte Akzeptanz

Ein großer Teil der Befragten sitzt rund 30-60 Minuten täglich bei der Hausübung, jede/r Zehnte braucht dafür mehr als 90 Minuten. Mit der geforderten Menge ist mehr als die Hälfte der Befragten zwar grundsätzlich einverstanden, aber: Nur ein Drittel hält sie für sinnvoll und sieht darin einen permanenten Lernzuwachs. Jede/r Zweite glaubt nicht, dass Hausaufgaben Einfluss auf die Note haben. Dementsprechend stimmen 85 % der Schüler*innen der Aussage zu, Hausaufgaben stehlen Zeit – beispielsweise zur Vorbereitung auf Prüfungen. 13 % der Jugendlichen und 9 % der Eltern meinen, sie sei veraltet und gehöre abgeschafft.

Beim Umgang mit Hausaufgaben zeigen sich deutliche Unterschiede: Vier von zehn Schülerinnen machen sie so genau und ordentlich wie möglich, während für 37 % Schnelligkeit am wichtigsten ist. Jeweils 7 % machen sie unregelmäßig, schreiben ab oder lassen, wann immer möglich, die KI für sich arbeiten. Eltern bewerten die Hausübung insgesamt sehr viel positiver als der Nachwuchs. 42 % glauben in ihrer Jugend mehr Hausaufgaben gehabt zu haben. Somit überrascht es wenig, dass jede/r Achte der Meinung ist, es könnte heutzutage noch mehr aufgegeben werden. In einem Punkt sind sich Schülerinnen und Eltern einig: Hausaufgabe bringt nur dann etwas, wenn es dazu Feedback gibt. Das scheint laut Angaben der Schüler*innen aber nur für jede/n Dritte/n regelmäßig der Fall zu sein.

Hohes Maß an Selbstständigkeit

Der Großteil der Schüler*innen erledigt die Hausübung allein, zu Hause, meist am Tag vor der Abgabe. Jede/r Fünfte hat dabei regelmäßig Schwierigkeiten, besonders in Mathematik, gefolgt von Deutsch und Englisch. In vielen Fällen bleibt das von den Eltern unbemerkt, da der Großteil versucht, sie mithilfe des Internets zu lösen. Anders bei den Jüngeren: In der Gruppe der 10-14-Jährigen wird zuerst die Mutter befragt.
Rund ein Viertel der Eltern ist bei der Hausübung gar nicht involviert, 12 % helfen sehr oft dabei – insbesondere bei jüngeren Kindern – und der überwiegende Teil hin und wieder. Kontrolle ist ebenfalls in erster Linie bei Jüngeren ein Thema: 39 % der Eltern fragen ihre Kinder, ob die Hausübung gemacht wurde, weitere 33 % schauen sich die Hausübung an, bevor sie abgegeben wird.
Das Konfliktpotenzial ist moderat: In den meisten Familien gibt es aufgrund der Hausübung wenig bis keinen Anlass für Streit. Eltern nehmen Konflikte allerdings doppelt so häufig wahr (11,4 % vs. 5,7 %).

© Shutterstock

Smartphone: Lernhilfe oder Konzentrationskiller?

Das Smartphone ist längst fixer Bestandteil der Hausübung. Einerseits nutzen viele Schülerinnen es dazu, um auftretende Probleme damit zu lösen – mit der Verwendung von KIs für die Aufgabe sind übrigens rund 50 % der Eltern einverstanden. Gleichzeitig lenkt das Smartphone stark ab: 46,5 % der Schülerinnen sind laut eigenen Angaben oft bzw. sehr oft auf Instagram, YouTube, TikTok, WhatsApp und Co. unterwegs, anstatt sich auf die Hausübung zu konzentrieren. Ein von Eltern deutlich unterschätzter Wert.
„Die permanente Ablenkung durch Social Media erschwert konzentriertes Lernen massiv. Wenn Aufmerksamkeit ständig unterbrochen wird, bleibt weniger hängen – und Hausaufgaben verlieren an Wirkung“, sagt Angela Schmidt, Unternehmenssprecherin von LernQuadrat. Ihre Empfehlung: „Während der Lernzeit sollte das Handy konsequent ausgeschaltet sein.“

Zusätzliche Lerninhalte

Abschließend wurden die Schüler*innen befragt, welche Inhalte aus ihrer Sicht aktuell am Lehrplan fehlen. Jede/r Fünfte hat den Wunsch nach ‚Kompetenzen fürs Leben‘ geäußert: Das reicht von Wohnung suchen und Mietverträge oder Versicherungen abschließen über Geld verdienen und es gut einteilen bis hin zu wie man alltägliche Probleme löst. Weiters wurden häufig die Themen Finanzen und Steuern, Kochen und Ernährung sowie mentale Gesundheit genannt. Mehr zu KI, Digitales oder Medienkompetenz wünschen sich hingegen nur 3 % der Befragten.
„Die Umfrage zeigt eindrucksvoll, welche Fähigkeiten den Schüler*innen wichtig sind: Lebenskompetenz und Finanzbildung stehen weit vor KI/Medienkompetenz. In Anbetracht der aktuellen Diskussion zum neuen Schulfach KI sollte das unbedingt berücksichtigt werden“, fordert Marcus Dekan, Präsident des Bundeselternverbandes.

Die Umfragen wurde von LernQuadrat und dem Bundeselternverband als Online-Befragung durchgeführt. Teilgenommen haben 1.194 Schüler*innen und 404 Eltern, österreichweit. Im Sinne der methodischen Unabhängigkeit wurde die Umfrage gezielt nicht an LernQuadrat-Schüler*innen verteilt, um eine möglichst neutrale und repräsentative Datengrundlage zu schaffen.

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Christian Neuhold

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