In der Beratung erlebe ich immer wieder, wie sehr einzelne Sätze Kinder treffen können – oft erinnern sie sich Jahre später noch daran“, berichtet Buschmann. Viele Eltern seien verzweifelt und wollten ihr Kind wachrütteln, griffen dann aber zu Formulierungen, die ihr Kind beschämen oder entwerten. Sätze, die mehr schaden als helfen.
Besonders problematisch sind nach Einschätzung des Gründers der Initiative OFFLINE HELDEN etwa Sätze wie:
• „Mit dir stimmt doch was nicht.“
• „Aus dir wird nie etwas, wenn du so weitermachst.“
• „Diese Online-Freunde sind doch keine echten Freunde.“
• „Andere Kinder schaffen das doch auch, nur du nicht.“
• „Du machst unsere ganze Familie kaputt mit deinem Verhalten.“
• „Wenn du noch einmal ans Handy gehst, schmeiße ich es weg.“
• „Du bist ein Online-Junkie.“
„Solche Aussagen erzeugen enormen Druck, Scham und das Gefühl, falsch zu sein“, erklärt Buschmann. „Statt das Kind zu stärken, schwächen sie sein Selbstwertgefühl und genau das treibt viele Kinder noch tiefer in die digitalen Welten hinein.“ Der Versuch der verbalen Strenge bewirkt also genau das Gegenteil des Gewünschte.

Wenn Sorge in Beschämung kippt
Der Medienexperte macht deutlich, dass diese Sätze meist nicht aus böser Absicht fallen, sondern aus Überforderung: Eltern haben Angst, ihr Kind zu verlieren, sie sorgen sich um schulische Leistungen oder um die Gesundheit, sind selbst mit der Situation überfordert – und reagieren dann hart. „Gut gemeint ist aber nicht automatisch gut gemacht“, betont Buschmann. Entscheidend sei, ob ein Satz Brücken baue oder Mauern errichte.
Kritisch werde es immer dann, wenn:
• das Kind abgewertet wird (z.B. als faul, krank oder hoffnungsloser Fall),
• mit Drohungen gearbeitet wird (z.B. Handy wegnehmen „für immer“),
• seine Interessen und Online-Kontakte pauschal lächerlich gemacht werden,
• ihm die Schuld für den gesamten Familienstress zugeschoben wird.
„So lernt ein Kind nicht, mit Medien besser umzugehen, sondern vor allem, seine Nutzung zu verheimlichen“, fasst der Medienexperte zusammen.

Was Kinder stattdessen brauchen
Statt verletzender Vorwürfe empfiehlt der Gründer von OFFLINE HELDEN eine Kombination aus klaren Grenzen und echter Beziehung. Kinder bräuchten das Gefühl, dass ihre Eltern sie verstehen wollen – gerade dann, wenn es schwierig wird. „Kinder brauchen nicht noch mehr Druck, sondern Orientierung, Verlässlichkeit und Eltern, die ihre eigene Mediennutzung reflektieren“, sagt Buschmann. „Wer mit dem Kind spricht statt gegen es, hat viel bessere Chancen, etwas zu verändern.“
Hilfreicher seien Sätze wie etwa:
• „Ich mache mir Sorgen, weil du so viel Zeit am Handy verbringst. Lass uns gemeinsam nach einer Lösung suchen.“
• „Mir ist wichtig, dass du genug Schlaf, Bewegung und Zeit mit Freunden außerhalb des Bildschirms hast. Wie können wir das zusammen besser hinbekommen?“
• „Ich möchte verstehen, was dir an diesem Spiel oder an diesen Videos so wichtig ist. Erklär es mir mal.“
• „Wir brauchen klare Regeln für Medienzeiten – und ich halte mich selbst auch daran.“

Mediensucht betrifft die ganze Familie
Eine problematische oder süchtige Mediennutzung sei nach Einschätzung des Experten nie nur ein Thema des Kindes, sondern betreffe immer das gesamte Familiensystem. Streit um Bildschirmzeiten, Hausaufgaben oder Schlafenszeiten belaste schnell die Beziehung zwischen Eltern und Kindern.
„Viele Familien kommen erst dann in die Beratung, wenn der Konflikt schon völlig eskaliert ist“, berichtet der Medienberater. „Dabei wäre es wichtig, viel früher hinzuschauen – und sich notfalls auch selbst Unterstützung zu holen, bevor alle Beteiligten erschöpft sind.“
Der Gründer von OFFLINE HELDEN ermutigt Eltern, Warnsignale ernst zu nehmen: Wenn Schule, Hobbys, Freundschaften oder Schlaf dauerhaft unter der Mediennutzung leiden, sollten Eltern das Gespräch suchen und gegebenenfalls fachliche Hilfe in Anspruch nehmen.
