Am 1. Mai jährte sich das Handyverbot an Österreichs Pflichtschulen zum ersten Mal. Der größte Nachhilfeanbieter Österreichs, die Schülerhilfe, nahm dies zum Anlass, um sich an ihren knapp 100 Standorten umzuhören, ob und inwieweit sich das neue Gesetz auf die Lernfähigkeit und die Konzentration auswirkt. Der eindeutige Tenor: Die rechtliche Verbindlichkeit hat im Schul- und Nachhilfealltag eine Normalität erzeugt, die das konzentriertere Lernen unterstützt!
125.000 Schülerinnen und Schüler vertrauen pro Jahr der Schülerhilfe Österreich, wenn es darum geht, Lernlücken zu schließen und Prüfungen besser zu meistern. Wie haben die Schülerhilfe-Standorte die Einführung des Handyverbots an Österreichs Pflichtschulen im vergangenen Jahr erlebt? Markus Kalina, Regionalleiter der Schülerhilfe Österreich fasst die Erkenntnisse zusammen:
Entspannter Umgang mit der Gesetzesänderung und positive Reaktionen
„Wir sind aufgrund der Kleingruppen und des Einzelunterrichts nahe dran an unseren Schülern und Schülerinnen“, so Markus Kalina. „Große Probleme oder starke Emotionen über das Verbot kam eigentlich nirgendwo auf. Im Gegenteil: Viele haben rückgemeldet, dass sie es als entlastend empfinden, dass das Verbot jetzt für alle Pflichtschulstufen gilt. Dadurch gibt es weniger Gruppenzwang in allen Altersstufen, denn jetzt gelten für alle die gleichen Regeln“, so Kalina.
Der Konkurrenzkampf ums Dopamin ist leicht gesunken
Der durchgängige Tenor aus den Schülerhilfe-Standorten zum Handyverbot ist positiv und setzt sich im Wesentlichen aus zwei Erfahrungen zusammen: Zum einen ist durch die Einführung des Gesetzes und die damit verbundene mediale Aufmerksamkeit das Verständnis für die Problematik des Smartphone-Umgangs in der Gesellschaft gestiegen – und damit auch das Problembewusstsein unter den Schülern und Schülerinnen. Zum anderen ist (zumindest stundenweise) ein faktischer Ablenkungsfaktor weggefallen, was der Aufmerksamkeit in Unterricht und Nachhilfe guttut: „Es ist durch Studien gut abgesichert, dass ein Smartphone für uns alle ein Konzentrationskiller ist. Und in Wahrheit wissen wir das auch aus eigener Erfahrung: Jede Push-Nachricht, jedes Aufpoppen am Screen ist für unser Nervensystem ein ‚Attention-Catcher‘ und wird bei Reaktion mit Dopamin belohnt. Da das Gehirn Informationen nicht parallel verarbeiten kann – und Multitasking ein neurologisches Märchen ist – heißt jeder Blick aufs Handy, dass die Konzentration unterbrochen wird. Wir haben im vergangenen Jahr an allen Nachhilfe-Standorten gute Auswirkungen durch das Handyverbot gespürt, da das Abschalten des Smartphones auch im Nachhilfe-Unterricht selbstverständlicher geworden ist“, resümiert Markus Kalina. Und er ergänzt: „Viele Standorte der Schülerhilfe haben sogar eigens gestaltete Handy-Parkplätze eingeführt – das ist gut angekommen.“
Nicht verbannen, sondern parallel dazu sinnvoll einsetzen
„Wenn wir die private Smartphone-Nutzung aus den Lernsettings in Schule und Nachhilfe fernhalten, kann die zwischenmenschliche Beziehung, die für das Lernen absolut erforderlich ist, wieder mehr Raum bekommen“, so Kalina. Dennoch: Es geht nicht darum, digitale Medien generell zu ‚verbannen‘, sondern sie in einer Form zugänglich zu machen, die dem kindlichen Lernprozess dient, statt ihn zu irritieren – und die gleichzeitig sicher ist. So hat die Schülerhilfe beispielsweise vergangenes Jahr eine eigene KI-Lernassistentin namens KIRA entwickelt – die ausschließlich ergänzend zur Präsenznachhilfe eingesetzt wird. „KIRA stellt keine fertigen Antworten zur Verfügung, sondern unterstützt durch Input und Fragestellung den eigenen Lernprozess. Sie greift dabei nur auf Schülerhilfe-interne Lernunterlagen zu, was auch in Bezug auf Jugend- und Datenschutz wichtig ist. Gleichzeitig erleben wir, dass den Kindern der Austausch mit KIRA Spaß macht – und so auf lerndienliche Weise das Belohnungszentrum im Gehirn angesprochen wird“, so Kalina über die Erfahrungen mit KI-gestützter Nachhilfe.
Österreich war zwar kein Vorreiter, Tenor der Eltern lautet: „Zeit is worden“
Der Trend zum handyfreien Unterricht zieht sich mittlerweile durch ganz Europa, die Vorteile überwiegen und die Eltern befürworten das Verbot größtenteils. „Wir haben viele positive Reaktionen der Eltern gehört“, so Kalina. „Vor allem jene, die die kindliche Smartphone-Nutzung kritisch sehen, fühlen sich durch das bundesweite Gesetz entlastet. Und immer mehr europäische Länder haben denselben Schritt gesetzt. In Lettland gilt das Handyverbot bis zur sechsten Klasse. In der Primarstufe sind Handys in Frankreich, Zypern, Griechenland, Italien, Irland, Spanien, Luxemburg, der Slowakei und Ungarn verboten. Die Niederlande haben im Vergleich eine der strengsten Regelungen eingeführt. „Wir sind für das Lernverhalten unserer Kinder mitverantwortlich“, ist Kalina überzeugt. „Wir können von unseren Jungen und Jüngsten nicht erwarten, dass Sie sich selbst einen sinnvollen Umgang mit digitalen Medien beibringen, wenn wir nicht als Vorbilder und mit klaren Spielregeln auftreten“, ist Kalina überzeugt.

