Allgemein werden hier drei Optionen diskutiert: Bei der ersten Option – wie es in Australien passiert – ist es den Anbietern von Kommunikationsdiensten selbst freigestellt, wie sie das Verbot umsetzen. Eine Möglichkeit dafür sind biometrische Verfahren, wie zum Beispiel Gesichtserkennung. Diese Option ist nicht unbedenklich, denn manche Menschen schauen deutlich älter oder jünger aus.
Zudem stellt sich hier die Frage, ob der Datenschutz gewährleistet werden kann. Bei der zweiten Option erfolgt der Zugang zu Social Media über staatliche Identitätsnachweise, in Österreich käme dafür die ID Austria in Frage. Das sehen wir von epicenter.works kritisch, denn diese Option käme einer Klarnamenpflicht nah. Damit kämen viele Probleme auf uns zu. Könnte jede*r das Internet nur mehr mit ID Austria besuchen, schlösse das viele Menschen aus. Die dritte Option, die wir von epicenter.works befürworten, ist datensparsam und privatsphäre-freundlich: Wir plädieren für einen neuen technischen Standard, um Geräte sowie Benutzer*innenkonten speziell für Kinder einzurichten. Dieser Standard müsste interoperabel und unter freier Lizenz verfügbar sein. Bei dieser Lösung wird niemand vom Internet ausgeschlossen und den Eltern kommt eine aktivere Rolle zu: Sie könnten gemeinsam mit ihren Kindern die Konten einrichten. Darüber hinaus sind die Konten der Erwachsenen, die die Mehrheit der Social Media-User*innen sind, nicht betroffen.
Welche Gefahren kann so ein Verbot bringen? Könnte es auch in irgendeiner Weise ausgeweitet werden?
Anonymität und Pseudonymität sind ein Grundpfeiler des Internets, der Meinungsfreiheit und der Kunstfreiheit. Nur dadurch gibt es Whistleblower und nur dadurch ist es bestimmten Menschen und Organisationen – wie etwa Journalist*innen und NGOs – überhaupt möglich, ihre Arbeit zu machen. Wir müssen unbeobachtet sein – und auch bleiben. Zudem schließt ein Verbot vor allem ältere Menschen aus, weil diese technisch nicht mehr mitkommen.
Das Internet ist in den letzten Jahren zu einer Voraussetzung geworden, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, staatliche Eingriffe und Verbote sind hier also sehr kritisch zu sehen und sie greifen oft zu kurz. Zudem lassen sie die großen Tech-Konzerne aus der Verantwortung.
Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass es bereits jetzt verschiedene Gesetze wie die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO) oder den Digital Services Act (DSA) gibt.
Es braucht vor allem das nötige Rüstzeug, um online sicher und selbstbestimmt unterwegs zu sein.
Thomas Lohninger, Geschäftsführer von epicenter.works
Welche anderen Möglichkeiten gibt es noch, um Kindern und Jugendlichen einen positiven Umgang mit Social Media zu ermöglichen?
Mit der epicenter.academy möchten wir seit Jahren den selbstbestimmten Umgang mit Medien und Technologien fördern, denn wir dürfen Kinder und Jugendlich damit nicht alleine lassen. Es braucht vor allem das nötige Rüstzeug, um online sicher und selbstbestimmt unterwegs zu sein. Alle unsere Materialien sind gratis und frei auf der Webseite verfügbar. Das Schulfach Digitale Bildung ist ein erster wichtiger Schritt, dennoch müssen wir in Zeiten von KI und Social Media noch mehr in Medienbildung investieren. Die Frage ist auch, wie Familien mit Medien umgehen, denn die Eltern sollten ihre Kinder begleiten, ihnen Vorbild sein und gemeinsam positive digitale Erfahrungen schaffen.
Österreichs erste Multi-Media-Community für Eltern und Kinder mit dem Ziel, den buntesten und anspruchsvollsten Familien-Club in Österreich aufzubauen. familiii dient der Förderung des Miteinanders innerhalb der Familie und dem intensiven Erfahrungsaustausch.