Es gibt die Kinder, die sauer sind, weil sie den Fiebersaft nicht ‚einfach so‘ einnehmen dürfen. „Er schmeckt halt so gut!“ Und es gibt die, die sich mit Händen und Füßen wehren, wenn ihnen der Papa mit dem Medikament in der Dosierspritze auch nur nahekommt. Eine Mittelohrentzündung mit Antibiotikum-Einnahme?
Kann zum familiären SuperGAU werden. Mit Tränen, Geschrei, zusammengepressten Lippen und ratlosen Eltern. Sabina Giriti ist Apothekerin in Wien Ottakring. Wenn ihr Eltern erzählen, dass ihr Kind sich weigert Medikamente einzunehmen, dass es sie ausspuckt oder erbricht – und das komme oft vor -, hat sie ein paar Tipps parat.
Bei Kindern, die leicht einen Würgereiz bekommen, empfiehlt sie, den Antibiotikumsaft in die Dosierspritze zu füllen und langsam seitlich in der Backentasche abzugeben. „In kleinen Mengen, damit der Saft nicht gleich in den Rachen kommt und das Kind langsam schlucken kann.“ Babys und kleine Kinder soll man aufrecht halten, damit sie sich nicht verschlucken.

Vorsicht bei Milchprodukten
„Wenn das alles nicht funktioniert, kann man das Kind auch ‚überlisten‘, indem man das Medikament in den Brei oder in etwas Apfelmus mischt.“ Die Apothekerin schränkt aber ein: „Man darf nicht jedes Medikament mit jedem Lebensmittel vermischen.“ Bei bestimmten Lebensmitteln könnte es zu Wechselwirkungen kommen. Die Wirkung des Arzneimittels könnte abgeschwächt oder verstärkt werden. Manche Antibiotikagruppen etwa dürfe man nicht zusammen mit Milch oder Milchprodukten einnehmen. Die Medizin ins Joghurt mischen? In diesem Fall keine gute Idee. Idealerweise sollte zwischen Milch und Medikament ein zeitlicher Abstand von ein bis – besser – zwei Stunden liegen.
Und Himbeersaft? Gewisse Antibiotika dürfe man mit Himbeersaft mischen, so wird das starke Aroma, das manche Kinder nicht mögen, verdeckt. „Aber bitte nur kleine Mengen Himbeersaft“, sagt Giriti. „Damit man sicherstellt, dass das Kind auch wirklich alles austrinkt.“ Was gar nicht geht: Grapefruitsaft. „Der hat eine starke Wechselwirkung mit Medikamenten“, warnt die Apothekerin. Für den (seltenen) Fall, dass man nur Grapefruitsaft zu Hause hat: Auf keinen Fall verwenden! Ansonsten empfiehlt Sabina Giriti die Packungsbeilage aufmerksam durchzulesen oder im Zweifelsfall in der Apotheke nachzufragen.
Man darf nicht jedes Medikament mit jedem Lebensmittel vermischen.
SABINA GIRITI, Apothekerin

Vergessen? Nicht die doppelte Dosis geben
Bei Antibiotika ist eine sorgfältige und lückenlose Einnahme besonders wichtig, um die Bakterien auch wirklich abzutöten. Idealerweise in gleichen zeitlichen Abständen. Das heißt: zweimal täglich mit jeweils 12 Stunden dazwischen, dreimal täglich alle acht Stunden. Was aber, wenn man eine Gabe vergisst? Oder das Kind unmittelbar nach der Einnahme erbricht?
„Bei Erbrechen bitte nicht die gleiche Dosis noch einmal verabreichen. Und auch nicht die doppelte Dosis geben, wenn man eine vergessen hat.“ In solchen Fällen: Das Kind und den Genesungsfortschritt gut beobachten und wenn nötig mit der Ärztin sprechen, wenn man sich unsicher ist, ob das Medikament auch wirkt. Auch wichtig: Viele Antibiotikasäfte müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden und sind nur sieben bis vierzehn Tage haltbar. Es gibt auch solche, die bei Raumtemperatur gelagert werden. „Eine falsche Lagerung beeinträchtigt die Qualität und Sicherheit des Arzneimittels und somit kann nicht mehr gewährleistet werden, dass es noch wirkt.“

Tabletten zermörsern? Kommt darauf an
Neben Säften gibt es bei vielen Arzneimitteln auch andere Darreichungsformen. Granulate, Kau- oder Schmelztabletten. „Wenn Kinder starke Halsschmerzen haben und nicht gut schlucken können, sind Schmelztabletten super, weil sie im Mund langsam zergehen.“ Für Tabletten gilt Ähnliches wie für das Abmischen von Säften: Ob man sie zermörsern oder in einer Flüssigkeit auflösen darf, hängt von verschiedenen Faktoren ab. „Es gibt zum Beispiel sogenannte Retard-Tabletten. Sie geben den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum frei. Wenn man sie zermörsert, geht dieser Effekt verloren“, erklärt Giriti. Auch magensäureresistente Tabletten dürfen nicht einfach zerkleinert werden, weil ihre Wirkung dadurch abgeschwächt wird und die Nebenwirkungen auf den Magen erhöht werden können. Wenn ein Kind die Tablette nicht runterbringt, also am besten in der Apotheke nachfragen, welche Möglichkeiten es gibt. Für Eltern von Babys hat Sabina Giriti noch einen Tipp: Es gibt Arzneimittelspender in Schnullerform. Die kann man ausprobieren, wenn man eine Alternative zur Dosierspritze sucht.

© Therese Marsoner, Atelier Marsoner
Das Kind weigert sich seine Medizin zu nehmen? Dann ist wichtig, dass sich Eltern zuerst einmal eine Sache bewusst machen: „Beim Thema Gesundheit sind sie die, die führen und verantwortlich sind“, sagt Carola Neubauer. Die psychosoziale Familienberaterin weiß, dass Eltern ihr Kind häufig mit Argumenten und Erklärungen zu überzeugen versuchen. Je nach Alter würden sie damit beim Kind aber nicht viel erreichen. „Kinder reagieren viel eher auf das, was Eltern zeigen, als auf das, was sie sagen.“ Mimik, Verhalten und Stimmlage der Erwachsenen sind ausschlaggebend:
Sind Mama oder Papa selbst aufgeregt oder fahrig, löst das im Kind Stress aus. „Wenn man es aber schafft, sich zu regulieren, mit dem Kind in Beziehung zu bleibenund beruhigend zu sprechen, kommt man eher weiter.“
Sätze wie ‚Ist doch nicht so schlimm‘ oder ‚Brauchst keine Angst zu haben‘ sollte man vermeiden. „Besser ist es, die Gefühle anzuerkennen, etwa, indem man sagt ‚Ich verstehe, dass du das nicht magst!‘“
Auch gut bei kleineren Kindern: Im Vorfeld die Situation durchspielen. Zum Beispiel mit der Puppe, die krank ist und ihre Medizin mit der Dosierspritze bekommt.


