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Home » Kleidertausch: Party statt Shoppingstress
Familienzeit

Kleidertausch: Party statt Shoppingstress

Gerit FischerVon Gerit FischerFeber 15, 2019Aktualisiert:April 7, 20264 Minuten Lesezeit
© Katharina Stögmüller
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Gespartes Geld ist nur einer der vielen Vorteile von tauschen statt kaufen. Es wird wieder Platz im Kleiderkasten frei, und man trifft nette Menschen.

Jetzt wollte ich es wissen. Nachdem ich bei ganz kleinen privaten Tauschpartys schon Feuer gefangen hatte, wollte ich mir endlich auch die Variante „öffentliches Event“ anschauen. Gelegenheit dazu ergab sich im Brick-5 in Wien, wo „verumteilt, die Genossinnenschaft für Austausch und Umverteilung“ eine Kleidertauschparty organisiert hatte.

Das öffentliche Event: Riesenauswahl, kostenlos

Bei jeder Kleidertauschparty gibt es klare Regeln. Üblicherweise wird gleich viel gegeben wie genommen, meistens nach Stück, manchmal sogar nach Kilogramm. Bei verumteilt heißt es: Gib am Eingang bis zu neun Kleidungsstücke ab und nimm dir ebenso viele wieder mit. Beschädigte und ungewaschene Kleidung wird nicht angenommen, ebenso unerwünscht ist das säckeweise Abladen von Altkleidung. Ich kam mit sieben „Ladenhütern“, aus denen ich herausgewachsen war oder die einfach nicht für mich gemacht waren – um sie schon wenige Minuten später an anderen Teilnehmerinnen zu sehen, die sie vorm Spiegel anprobierten. Der Ansturm war enorm, ständig brachten noch mehr Tauschende noch mehr Kleidung. Die Auswahl wurde also nicht weniger. So haben auch späte Gäste die gleichen Chancen.

© Katharina Stögmüller – Bei der verumteilt-Kleidertauschparty ging es zu wie in einem Bienenstock. Und ständig sorgten Neuankömmlinge für Kleider-Nachschub.
© Katharina Stögmüller – Hat man mit einem Kleidungsstück einen schlechten Griff getan, kann man es bei der nächsten Tauschparty einfach weitertauschen.

Die Privatparty: ganz intim

Ganz anders beim Kleidertausch im Wohnzimmer, da kommt echtes Teenager-Feeling auf. Es dauert nicht lang, und schon hüpfen die Damen in der Unterwäsche herum, drängeln sich vor dem Spiegel, geben einander Stilberatung und ehrliches Feedback. Ganz wichtig sind hier Sympathie und Offenheit, Eitelkeiten wären fehl am Platz. Die Gästeliste sollte also durchaus sorgfältig zusammengestellt werden. Das macht Mut zum Experimentieren! Wo sonst kann man so unkompliziert neue Stilrichtungen ausprobieren? Und wer mit dem Erstandenen nicht glücklich wird, kann es beim nächsten Termin wieder weitertauschen. Und wer am Ende das Weitertauschen bereut, hat bei privaten Tauschpartys sogar die Chance, das ersehnte Stück wieder zurückzubekommen! Denn man weiß ja, in wessen Kleiderkasten es gelandet ist.

Lieblingskleid mit Geschichte(n)

Als besonderes Extra können die Gäste gebeten werden, etwas über die mitgebrachten Stücke zu erzählen. Nicht zu jeder Bluse wird es eine Geschichte geben, aber so manches Stück hat ein Abenteuer oder eine Romanze miterlebt, wodurch es noch schöner wird. Doch das erfährt man natürlich nur beim privaten Kleidertausch.

Ausmisten – leicht wie nie

Sogar Lieblingsstücke, von denen man sich jahrelang nicht trennen konnte, obwohl sie schon lange nicht mehr passen, gibt man leichter aus der Hand, wenn man weiß, was damit geschieht – und man sieht, wie sich jemand darüber freut.

Wie Flohmarkt, nur besser

Gerade beim privaten Kleidertausch werden neben funktionellen Basics nicht selten sogar Designerstücke ins Rennen geschickt – je nach Auswahl der Gäste, denn sie bestimmen den Kleidungsstil.

© Katharina Stögmüller – Nicht selten stößt man bei Kleidertauschpartys auf Stücke, die man selber abgegeben hat.
© Katharina Stögmüller – Stilberatung unter Fremden – im Tauschfieber kommt man schnell ins Plaudern.

Ethik im Kleiderkasten – endlich!

Swap Shop statt Sweat Shop ist die Devise. Beklemmende Meldungen über Textilien aus Billiglohnländern werfen die Frage auf, wo man denn überhaupt noch anständige Kleidung bekommt. Selbst bei Markenware hat man keine Garantie, dass niemand ausgebeutet wird. Nur Tauschware hat keinen wie auch immer gearteten Fußabdruck, denn gerettete Kleidung hat schon einen Lebenszyklus hinter sich.

Fröhliche Müllvermeidung

Der Boom, den das Kleidertauschen derzeit erfährt, ermöglicht vielen Kleidungsstücken das eine oder andere neue Leben, bevor sie am Müll landen. Nebenbei werden Ressourcenverbrauch und Umweltfolgen verringert, die bei Kleiderproduktion und Transport unvermeidlich sind. Gerade in Zeiten, in denen Plastik und Müllberge ein Thema sind, kann so jede Frau ganz einfach was zur Ressourcenschonung unternehmen. Denn meist sind die Ladenhüter aus dem eigenen Kleiderschrank mangels Tragen in ausgezeichnetem Zustand und für andere Damen ein begehrtes Stück. Ob es letztlich um Konsumverweigerung geht, um Gratismode, um Müllvermeidung oder ums Platzschaffen: Eine Kleidertauschparty ist auf alle Fälle empfehlenswert. Termine sind im Internet leicht zu finden, ebenso Anleitungen zum Selbstorganisieren. Fröhliches Kleidertauschen!

© Katharina Stögmüller – Wie Flohmarkt, nur besser: Die Aussicht auf gleichwertigen Ersatz motiviert, auch richtig schöne Kleidung abzugeben.
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Gerit Fischer

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