Die Jugendlichen in Österreich erzielen beim diesjährigen PISA-Test durchwachsene Ergebnisse. Vor allem die Lesekompetenz hat sich deutlich verschlechtert. Etwas besser als der OECD-Durchschnittlich sind Österreichs Schülerinnen und Schüler in Mathematik, Naturwissenschaften und Lernen in der digitalen Welt.
Die PISA-Studie untersucht regelmäßig im Lesen, in Mathematik und in Naturwissenschaften, wie gut 15-Jährige gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit alltagsnahe Problemstellungen verstehen und lösen können. Sie zeigt damit, inwieweit Jugendliche auf die Anforderungen einer Wissensgesellschaft vorbereitet sind und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Die aktuelle Studie, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) koordiniert und wurde 2025 durchgeführt. Jede PISA-Studie nimmt einen Bereich intensiver unter die Lupe, diesmal Naturwissenschaften.
Österreich bleibt unter den Top 20
Die Jugendlichen erreichen in Naturwissenschaften (497 Punkte), im Lesen (467 Punkte) und in Mathematik (477 Punkte) niedrigere Ergebnisse als in der vorhergehenden PISA-Studie 2022. Die Resultate fallen damit in allen Bereichen schlechter aus als in der ersten PISA-Studie vor 25 Jahren. Im neu eingeführten Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ erzielten sie mit 509 Punkten ähnliche Ergebnisse wie ihre Kolleginnen und Kollegen in Finnland, Dänemark oder Belgien. Insgesamt bleibt Österreich damit im oberen Mittelfeld der OECD-Staaten und – bis auf den Bereich Lesen – in den Top 20. Spitzenreiter waren je nach Themenbereich chinesische Regionen oder Singapur, in Europa erzielte vor allem Estland Spitzenwerte.
Am Ende der Pflichtschule fehlen oft Grundkompetenzen
„Österreichs Schulsystem schafft es noch immer nicht, allen Jugendlichen die Grundkompetenzen zu vermitteln, die sie brauchen. Schülerzentriertes Lernen und eine hohe Unterrichtsqualität sind wichtig – am Ende der Pflichtschule müssen alle Kinder und Jugendlichen sicher lesen, schreiben und rechnen können
“, sagt Ilkim Erdost, AK Bereichsleiterin Bildung, zu den aktuellen PISA-Ergebnissen.
PISA zeigt nicht nur sinkende Leistungen, sondern ein grundlegendes Problem: Zu viele Jugendliche verlassen die Pflichtschule ohne die Grundkompetenzen, die sie für ihre Zukunft brauchen. Gleichzeitig wird Nachhilfe zur privaten Reparatur dessen, was im Schulsystem nicht ausreichend gelingt: Kinder gezielt zu fördern
Vor allem im langjährigen Vergleich gibt der klare Abwärtstrend Grund zur Sorge: Im Vergleich zu 2006 nahm die Leistung in Mathematik um -28 Punkte ab (477), in den Naturwissenschaften um -14 Punkte (497) und im Lesen -23 Punkte (467).
Besonders alarmierend: 28 % der Schüler:innen gehören in Lesen und Mathematik zur Risikogruppe, 21 % in Naturwissenschaften. Sie können am Ende der Pflichtschule etwa einfache Texte nicht sinnerfassend lesen oder alltägliche Rechenaufgaben nicht lösen.
Und das, obwohl der aktuelle AK-Nachhilfebarometer zeigt, dass ein Drittel der Schüler:innen mittlerweile private oder bezahlte Nachhilfe bekommt.
„Wir können nicht verlangen, dass Eltern das Bildungssystem am Abend und mit privatem Geld reparieren. Das ist unsozial und verschärft die Bildungsungerechtigkeit: Wer sich Nachhilfe leisten kann, hat bessere Chancen – und Bildung wird noch stärker vererbt
“, sagt Ilkim Erdost, Bereichsleiterin Bildung der AK Wien.
„Der Chancenbonus, ein Zuschuss für Schulen mit besonderen Herausforderungen, ist eine positive Entwicklung: Schulen können damit gezielt auf die Bedürfnisse ihrer Schüler:innen eingehen. Ob die Maßnahmen wirken, wird sich erst weisen. Die PISA-Ergebnisse zeigen aber schon jetzt: Schulen mit größeren Herausforderungen brauchen mehr Ressourcen. Eine bedarfsgerechte Schulfinanzierung muss daher dringend ausgebaut werden. Es braucht mehr, und es braucht mehr Tempo
“, so Ilkim Erdost.
Leseprobleme sind das Kernproblem an Österreichs Schulen
Für FPÖ-Bildungssprecher NAbg. Hermann Brückl sind die aktuellen PISA-Ergebnisse symptomatisch für den besorgniserregenden Zustand unseres Bildungssystems. Wenn nämlich Österreich beim Lesen mittlerweile sogar hinter der Türkei liegt, dann ist es schon fünf nach zwölf. Es steht fest, dass die anhaltende Einwanderung nach Österreich und die damit verbundenen sprachlichen Barrieren in den Klassenzimmern einen wesentlichen Teil zu dieser negativen Entwicklung beitragen. Brückl: “ „Die PISA-Zahlen lügen nicht und zeigen den Handlungsbedarf schonungslos auf. Wiederkehr kann über Digitalisierung, neue Schulmodelle und Reformprojekte reden, so viel er will, wenn nämlich Jugendliche immer schlechter lesen und rechnen können, hat das Bildungssystem seine elementarste Aufgabe verfehlt. „
„Die PISA-Ergebnisse in Deutsch und Mathematik sind ernüchternd und ein klarer Auftrag, bei den Grundkompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler konsequent gegenzusteuern. Österreich kann und darf sich nicht damit abfinden, wenn junge Menschen die Schule verlassen, ohne ausreichend lesen, schreiben und rechnen zu können“, sagt Melina Schneider-Lugger, Leiterin der Abteilung für Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): „Das ist nicht nur eine Frage der Bildungschancen jedes Einzelnen, sondern auch eine Zukunftsfrage für unseren Wirtschaftsstandort.“



