Moms only

Selfcare ist nicht selfish!

Geht’s der Mutter gut, geht’s den Kindern gut – heißt es. Doch wie funktioniert gesunde Selbstfürsorge im Alltag? Und warum kommt es der ganzen Familie zu Gute, wenn Mama besser auf sich selbst schaut?

Gerade Corona hat gezeigt, dass speziell Mütter an Überforderung leiden, weil sie es in der Regel sind, die das Familienleben am Laufen halten. Kinder betreuen, Schule und Hausaufgaben managen, Haushalt schupfen, in vielen Fällen auch noch externe Arbeitsstunden abarbeiten oder für ältere Familienmitglieder sorgen.

Happy wife, happy life

Der Alltag mit Kindern, Familie und Beruf ist bunt, bereichernd und vor allem auch eins: mitunter sehr stressig. Tagtäglich sind viele, auch noch so kleine Aufgaben zu erfüllen, unzählige Handgriffe zu tätigen und Entscheidungen zu treffen. Zu Hause kochend, putzend, kümmernd, meistens auch noch „nebenbei“ arbeitend sind viele Mütter bemüht, nach außen alles perfekt zu machen und allen gerecht zu werden. Mit der Folge, dass viele Frauen an die Grenze ihrer Belastbarkeit kommen, worunter letztendlich die ganze Familie leidet. Es wird gestritten, geschrien, gemotzt. Ist die Mama gestresst und ständig am Limit, wirkt sich das freilich auch auf die Beziehung zu den Kindern aus. „Happy wife, happy life“ – nicht umsonst wird diese alte Formel Brautpaaren immer wieder gerne ans Herz gelegt. Soll heißen: Jeder ist selbst seines eigenen Glückes Schmied. So setzt etwa die Liebe gegenüber des Partners oder der Partnerin stets ein gutes Stück Eigenliebe voraus. Weil zu glauben, dass der andere für das eigene Glück verantwortlich ist, wäre in Wahr- heit eine egoistische Sichtweise. Genau deshalb hat gesunde Selbstfürsorge auch nichts mit Egoismus zu tun. Und niemand braucht ein schlechtes Gewissen dafür zu haben, für die Gestaltung seines eigenen Lebensglücks Verantwortung zu übernehmen. Also darauf zu schauen, dass es einem selber gut geht, früh genug zu erkennen, wann es einem zu viel wird, zu hohe Ansprüche zurückzuschrauben, Nein zu sagen und auch geduldiger mit sich selbst umzugehen.

Selbstfürsorge ist mehr als einmal Wellness

„Selbstfürsorge ist die Basis für jede starke Familie“, schreiben Daniela Gaigg und Linda Syllaba. Wie nachhaltige Selbstfürsorge in der Praxis ausschauen kann? Mit einem Mama-Wellnesswochenende allein sei es jedenfalls nicht getan. Die beiden Pionierinnen der Elternblogger- und Coachingszene sind überzeugt davon, dass Selbstfürsorge für Mütter jeden Tag stattfinden muss. Und zwar in kleinen Dosen, damit der Energietank stetig nachgefüllt werden könne und damit jede noch so kleine Maßnahme im Alltag auch wirklich dauerhaft nachwirke. „Alles eine Sache der Einstellung“, sagen die Erziehungsexpertinnen. Während nämlich heutzutage fast immer die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen würden, machen Gaigg und Syllaba Müttern Lust und Mut, die Reihenfolge der Fürsorge auch einmal umzudrehen: zuerst die Mama, dann die Partnerschaft, dann die Kinder. „Das ganze Leben kann sich tatsächlich verändern, wenn nicht die Kinder den Tag diktieren und du ihrem Diktat hinterherhechelst, sondern wenn du selbst aus voller Kraft und vollem Herzen die Herrin deiner Zeit, Energie und Elternschaft bist“, bekräftigen die Autorinnen in ihrem Ratgeber. Es sei schließlich ein Irrglaube, dass Kinder die elterliche Selbstaufgabe einfordern würden und sich Eltern selbst mit ihren Bedürfnissen sozusagen hinten anstellen müssten.

Warum gerade die Mamas?

„Weil Frauen dieses Thema schon vermehrt in sich tragen bevor sie überhaupt Kinder haben. Die Frau von heute will/soll/muss in allen ihren Rollen glänzen, um sich in einer Welt zu behaupten, in der Frauen alles sein dürfen/müssen/ sollen/wollen“, behauptet Linda Syllaba. Und außerdem deshalb, weil wir trotz Emanzipation als Gesellschaft noch nicht so weit seien, dass die Aufgaben in der Familie tatsächlich 50:50 aufgeteilt gelebt werden (können). Tatsächlich haftet Care-Arbeit immer noch überwiegend an Frauen. Zwar gibt es viele Papas, die sich mehr um die Familie kümmern wollen – karrieretechnisch sind Väterkarenz & Co aber oft eher ein No-Go. „Also bleibt die Mama vielfach daheim bei den Kids, schupft den Laden, geht dann auch irgendwann wieder arbeiten, zumindest Teilzeit.“ Dass es dabei oft zur Überforderung kommt, sei laut Syllaba kein Wunder. Und zwar schlichtweg deshalb, weil vielfach übersehen werde, dass Kinderbetreuung per se ein Fulltimejob ist. Die Haltung vieler Mütter „alles perfekt und es allen recht machen zu wollen“ sei auch einer gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet, die durch mangelndes Selbstwertgefühl geprägt sei. „So viele Frauen haben den unbewussten Glaubenssatz „ich bin nicht genug“
in sich. Ganz viele haben in der eigenen Kindheit emotionale Defizite erlebt, die sie keinesfalls weitergeben wollen.“ Mit der häufigen Konsequenz: Sie wollen es ihren Kindern zuliebe besser machen. „Sie wollen den Kindern diesen Schmerz ersparen und geben sich mitunter dabei selbst auf“, weiß Syllaba aus ihrer Beratertätigkeit. Dabei sei es so wichtig, anzuerkennen, „was gerade ist“. Und gerade auch sich selbst gegenüber fair und liebevoll zu sein. „Wenn ich nervös bin, bin ich nervös, wenn ich wütend bin, bin ich wütend, wenn alles zu viel ist, ist es eben zu viel und so weiter. Es ändert sich ja nicht, wenn ich so tue, als wäre es nicht so.“

Falsche Erwartungen & hohe Ansprüche

Eines ist klar: Kinder kriegen und groß ziehen ist für Erziehungsberechtigte naturgemäß mit Hingabe und Verzicht verbunden. Doch immer mehr Eltern scheinen immer weniger Ahnung davon zu haben, wie (richtiges) Erziehen über- haupt geht. Viele Vorstellungen davon, wie Familie auszusehen hat oder wie Mütter/Kinder/Väter zu sein haben, gehen an der Realität vorbei. „Einigkeit darüber, wie Kinder zu erziehen sind, ist ja schon vor mehreren Jahrzehnten abhandengekommen. Das Kollektiv regelt heute nicht mehr, also müssen wir individuell entscheiden, wie wir leben wollen, wie wir unsere Beziehungen gestalten wollen, wie wir erziehen wollen“, erklärt Familiencoach Syllaba. Kein richtig oder falsch mehr, das von der Gesellschaft vorgegeben wird – wenig verwunderlich also, dass hier viel Verunsicherung mitspielt. „In der Theorie ist ja vieles einfach und klar. Die Praxis zeigt jedoch, dass etwa ein Kind ein soziales Wesen ist, dass sich nicht theoretisch oder organisatorisch abarbeiten lässt.“ Um dem Alltagsstress trotz zunehmender Verunsicherung standzuhalten, brauche es laut Syllaba und Gaigg vor allem ein Mindset, das den Fokus von der Außenorientierung nach innen legt. Bei den anderen sieht das Leben oft viel einfacher aus, doch der Schein kann trügen. Sich mit anderen zu vergleichen sei jedenfalls ein sicheres Rezept, sich selbst unglücklich zu machen und sich unnötig zu stressen.

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