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Home » Wie die Stimmung der Mutter die Sprachfähigkeit ihres Babys beeinflusst
Erwachsen werden

Wie die Stimmung der Mutter die Sprachfähigkeit ihres Babys beeinflusst

adminVon adminOktober 11, 2022Aktualisiert:Feber 24, 20263 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Mit Babys in kindgerichteter Sprache zu kommunizieren, gilt als wesentliche Voraussetzung für eine gute Sprachentwicklung der Kleinen. Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften haben jetzt untersucht, wie sich die Stimmung von Müttern nach der Geburt ihres Kindes auf deren Sprachfähigkeit auswirkt.

Bis zu 70 Prozent der Mütter entwickeln nach der Geburt ihres Babys eine postnatale depressive Verstimmung, auch als Babyblues bezeichnet. Analysen zeigen, dass das auch die Entwicklung der Kinder selbst und deren Sprache beeinträchtigen kann. Bislang war jedoch unklar, wie genau sich diese Beeinträchtigung in der frühen Sprachentwicklung bei Säuglingen zeigt.

In einer Studie haben WissenschaftlerInnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig jetzt untersucht, wie gut Babys Sprachlaute voneinander unterscheiden können, je nachdem wie die Stimmung ihrer Mutter ist. Diese Fähigkeit gilt als wichtige Voraussetzung für die weiteren Schritte hin zu einer gut ausgeprägten Sprache. Können Laute voneinander unterschieden werden, können auch einzelne Wörter voneinander unterschieden werden. Dabei wurde deutlich: Geben Mütter zwei Monate nach der Geburt eine negativere Stimmung an, können ihre Kinder im Alter von sechs Monaten im Schnitt weniger gut Sprachlaute verarbeiten. Den Kleinen fiel es dann besonders schwer, Tonhöhen voneinander zu unterscheiden. Konkret zeigte sich bei ihnen, dass ihre sogenannte Mismatch Reaktion weniger entwickelt war als bei denen, deren Mütter positiver gestimmt waren. Diese Reaktion dient wiederum als Maß dafür, wie gut jemand Laute voneinander trennen kann. Ist diese Entwicklung hin zu einer ausgereifteren Mismatch Reaktion verzögert, gilt das als Hinweis für ein erhöhtes Risiko, später unter einer Sprachstörung zu leiden.

„Wir vermuten, dass die betroffenen Mütter weniger kindgerechte Sprache verwenden“, erklärt Gesa Schaadt, Postdoc am MPI CBS, Professorin für Entwicklung im Kindes- und Jugendalter an der FU Berlin und Erstautorin der Studie, die jetzt im Fachmagazin JAMA Network Open erschienen ist. „Vermutlich nutzen sie weniger Variationen in ihren Tonhöhen.“ Dadurch komme es auch bei den Kindern zu einer eingeschränkteren Wahrnehmung unterschiedlicher Tonlagen. Diese Wahrnehmung gilt wiederum als eine Voraussetzung für die weitere Sprachentwicklung.

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© Shutterstock – Forscher vermuten, dass depressive Mütter sich oft monotoner, weniger auf das Kind ausgerichteter Sprache bedienen.

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig kindgerechte Sprache der Eltern für die weitere Sprachentwicklung ihrer Kinder ist. Als kindgerecht gilt eine Sprache, die stark in ihrer Tonhöhe variiert, bestimmte Teile von Wörtern deutlicher betont – und dadurch die Aufmerksamkeit der Kleinen auf das Gesagte richten. Mütter, die wiederum unter depressiven Verstimmungen leiden, bedienen sich oft monotonerer, weniger auf das Kind ausgerichteter Sprache. „Um die gute Entwicklung der Kleinen zu gewährleisten, braucht es auch für Mütter, die unter leichten, oft noch nicht behandlungswürdigen Verstimmungen leiden, entsprechende Unterstützung“, sagt Schaadt. Das müssten nicht unbedingt organisierte Interventionsmaßnahmen sein. „Manchmal braucht es auch einfach mehr die Väter, die eingebunden werden müssen.“

Untersucht haben die ForscherInnen diese Zusammenhänge mithilfe von 46 Müttern, die über unterschiedliche Stimmungen nach der Geburt berichteten. Deren Stimmung wurde anhand eines standardisierten Fragebogens gemessen, der für die Diagnose von postnatalen Verstimmungen typischerweise eingesetzt wird. Zudem nutzten sie die Elektroenzephalografie (EEG), mit deren Hilfe sich messen lässt, wie gut Babys Sprachlaute voneinander unterscheiden können. Genutzt wird dafür die sogenannte Mismatch Reaktion, bei der anhand eines bestimmten EEG-Signals deutlich wird, wie gut das Gehirn verschiedene Sprachlaute verarbeitet und voneinander unterscheidet. Diese Reaktion erfassten die Forscher bei den Kleinen im Alter von zwei und sechs Monaten, während ihnen verschiedene Silben wie „ba“, „ga“ und „bu“ vorgespielt wurden.

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