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Home » Wie spreche ich mit meinem Kind über Rassismus?
Erwachsen werden

Wie spreche ich mit meinem Kind über Rassismus?

adminVon adminJuni 22, 2020Aktualisiert:Feber 26, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Rassismus betrifft alle. Eltern sollten darum wissen, wie man mit Kindern darüber spricht und gut mit dem Thema umgeht. Diese SOS-Familientipps helfen dabei.

Nach dem Mord an mehreren Afroamerikanern durch Polizisten ging in den letzten Wochen ein riesiger Aufschrei gegen Rassismus um die ganze Welt. Dass dieses Thema auch sonst immer brandaktuell ist, vergessen viele Nichtbetroffene. „Gerade Menschen, die nicht täglich mit Rassismus konfrontiert sind, sollten sich aktiv damit beschäftigen. Und am besten fängt man schon bei den Kleinsten an“, so Milutin Marinkovic, Sozialpädagoge bei SOS-Kinderdorf. Aber wie erklärt man Kindern, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden? Und wie erzieht man seinen Nachwuchs anti-rassistisch? Hier sieben Ideen dazu:

Zu allererst sollten wir Erwachsenen uns selbst fragen, welche Vorurteile wir hegen oder was wir bezüglich Rassismus noch dazulernen sollten. Denn: Wir sind die Vorbilder für unsere Kinder und sollten ihnen zeigen, dass uns der Kampf gegen Rassismus am Herzen liegt. Anti-rassistische Sprache ist dabei ein wesentlicher Bestandteil. Denn durch Sprache passiert ganz viel in den Köpfen der Kinder. Vermeiden Sie in jedem Fall beleidigende oder wertende Bezeichnungen, auch wenn Sie „es ja eh nicht so gemeint haben“.

Nicht alle Menschen werden gleich behandelt. Egal ob im Alltag, bei der Arbeitssuche oder in der Schule: Rassismus passiert täglich und überall. Erklären Sie Ihrem Kind, dass viele Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft benachteiligt und ausgegrenzt werden. Oft sind es unterschwellige Handlungen, die das zum Ausdruck bringen: Jemand wechselt die Straßenseite wenn eine Schwarze Person vorbeigeht, oder hält die Handtasche fester.

Erklären Sie Ihrem Kind, warum es so wichtig ist, gegen jede Art von Rassismus anzukämpfen und leben Sie Zivilcourage vor. Bemerken Sie zum Beispiel einen rassistischen Vorfall im eigenen Umfeld oder in der Öffentlichkeit, bleiben Sie nicht leise, sondern erheben Sie Ihre Stimme. Eine Person aus der Verwandtschaft verwendet das N-Wort oder äußert sich anderweitig rassistisch? Schreiten Sie ein und erklären Sie, dass das nicht tolerierbar ist. Diese Art von Gesprächen kann oft unangenehm sein – sie sind aber im Kampf gegen Rassismus unverzichtbar. Kinder legen grundsätzlich sehr viel Wert auf Gerechtigkeit. Sie werden Ihr Vorgehen verstehen lernen und es später genauso machen.

Offenes Ansprechen ist essentiell. Nehmen Sie die Äußerungen Ihres Kindes ernst und sprechen Sie über aktuelle Themen im Alltag. Tabuisieren ist nie die Lösung. Hat ein Kind rassistische Aussagen von Schulfreundinnen oder -freunden aufgeschnappt, sprechen Sie es aktiv an und erklären Sie, warum das nicht in Ordnung ist. Achten Sie dabei auf altersgerechte, behutsame Kommunikation. Während man einer 12-Jährigen schon komplexere Zusammenhänge von Rassismus und dessen Entstehungsgeschichte und Begrifflichkeiten erklären kann, muss man bei jüngeren Kindern spielerischer vorgehen.

Mal ehrlich: Jeder trägt Vorurteile mit sich herum. Zum Teil getarnt durch Humor und Sarkasmus, zum Teil ganz offen und selbstbewusst. Und darin liegt das Problem. Viele Denkweisen haben sich über Jahrhunderte bei uns eingeschlichen und gefestigt. Thematisiert wird aber meist nur die Spitze des Eisbergs – wie im Fall von George Flyod, wenn es Todesopfer gibt. Die gewaltige Masse darunter, die diese Spitze stützt, ist das, was es wirklich zu bekämpfen gilt – Alltagsrassismus. Kostenlose Hörbücher wie „Exit Racism“ von Tupoka Ogette oder „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters helfen, den eigenen Horizont zu erweitern.

Leider sehen viele Bücherregale, vor allem im Kinderzimmer, noch immer nicht sehr divers aus. Das können Sie leicht ändern und vermehrt darauf achten, dass die Heldinnen und Helden Ihrer Kinder vielfältig sind. Online gibt es Bücherlisten, die dabei helfen, Kindern Vielfalt und Anti-Rassismus näherzubringen. Zum Beispiel hier.

Es ist traurig, aber man muss auch realistisch sein: Ihr Kind wird regelmäßig mit Rassismus konfrontiert sein – wenn auch vielleicht nicht am eigenen Leib. Denn Rassismus existiert und wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Er hat eine lange Geschichte und ist tief im System verankert. Alle müssen mitmachen, sonst wird sich langfristig nichts ändern. Nehmen Sie das als Ansporn, um mit Menschen im Umfeld zu reden und sie zu mobilisieren. Die Zauberformel lautet: Rassismus permanent sichtbar machen, aufzeigen und darüber sprechen. Aufstehen, laut sein – Missstände und Diskriminierung zum Thema machen. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es um Verantwortung und Respekt füreinander geht.

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