Einen eigenen Instagram-Account erst ab 15 Jahren, mehr Kontrolle für Eltern und ein neuer Sicherheitsrat für Europa: Ursula von der Leyen hat weitreichende Vorschläge für mehr Jugendschutz in sozialen Medien angekündigt.
So visiert die Europapolitikerin ein weitreichendes Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren an. „Keine sozialen Netzwerke unter 13 Jahren“, sagt von der Leyen, selbst Großmutter von sechs Enkeln und erntet Applaus der Abgeordneten. „Kein eigenes Nutzerkonto unter 15 Jahren“, fügt sie hinzu. Bislang können sich Kinder ab 13 Jahren auch ohne Zustimmung ihrer Eltern anmelden. Für 13- bis 15-Jährige sollen Konten künftig ausschließlich von Eltern eingerichtet werden können. Von der Leyen spricht von „Mini-Konten“ mit begrenzten Funktionen und zeitlichen Beschränkungen.
KIDS ACT soll klare Grenzen setzen
Nach der Ankündigung einer EU-weiten Social-Media-Altersgrenze in ihrer Rede zur Lage der Union hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Straßburg zusammen mit der zuständigen EU-Kommissarin Henna Virkkunen den konkreten Gesetzesvorschlag der Kommission präsentiert, den „KIDS ACT“. Der Vorschlag verbietet Social-Media-Plattformen den Zugang für Kinder unter 13 Jahren; ab 15 Jahren dürfen Minderjährige ein eigenes Konto eröffnen.
„Jugendliche verbringen täglich vier bis sechs Stunden vor dem Bildschirm“, so die Kommissionschefin in der Pressekonferenz am 17. September. „Zu viele Kinder kommen zu früh mit der Online-Welt in Kontakt, für die sie noch nicht bereit sind. Sie werden Opfer von Betrügern und Pädokriminellen.“ Die Plattformen seien darauf ausgelegt, die Aufmerksamkeit der Nutzer zu fesseln: „Das Ziel ist es, Kinder online zu halten.“ Darum werde der KIDS ACT „klare Grenzen in der digitalen Welt setzen“.
Kinder von drei bis unter 13 Jahren sollen keinen Zugang zu sozialen Medien haben, aber über von den Eltern verwaltete Konten auf kinderfreundliche Videoplattformen zugreifen dürfen. Es liege an den Plattformen, entsprechende Tools zu entwickeln, so die Kommission. Der EU-KIDS-Act erlegt allen Online-Diensten, die Social-Media, Videoplattformen, Online-Videospiele, KI-Begleiter und Chatbots für Nutzer unter 18 Jahren anbieten, eine Reihe von Verpflichtungen für Sicherheit auf.

Süchtig machende Algorithmen sind verboten
Dazu gehören ein Verbot von süchtig machenden Funktionen und profilbasierten Empfehlungsfeeds, die Minderjährige in „Kaninchenlöcher“ mit schädlichen Inhalten ziehen würden. KI-Begleiter und Chatbots müssen laut Vorschlag standardmäßig deaktiviert sein und dürfen keine emotionalen zwischenmenschlichen Beziehungen simulieren. Zudem müssten Profile von Minderjährigen standardmäßig privat und der Zugriff auf Standortdaten, Kamera und Mikrofon deaktiviert sein. Online-Dienste müssen Minderjährigen außerdem einfache Möglichkeiten bieten, Nutzer zu blockieren und stummzuschalten. Dies soll Missbrauch bekämpfen.
Plattformen sollen Apps zur Altersüberprüfung einsetzen. Dazu hatte die Kommission bereits eine europäische App vorgestellt. Die App wird heruntergeladen, mit dem Reisepass oder Personalausweis eingerichtet und dient dann beim Zugriff auf Online-Dienste als Altersnachweis. Das soll Datenschutz garantieren und die Weitergabe persönlicher Daten nicht nötig machen. Die EU-Staaten könnten die EU-Vorgabe als eigenständige App veröffentlichen oder in die europäischen digitalen Identitäts-Wallets integrieren, die sie bis Ende des Jahres bereitstellen sollen.
ÖVP und SPÖ begrüßen die Altersgrenze
„Die Digitalisierung bietet viele Chancen aber auch Risiken. Der Schutz unserer Kinder hat dabei größte Priorität. Es ist gut, dass die Kommission jetzt endlich tätig wird, und wir werden uns mit großem Einsatz an den Verhandlungen für die Schaffung einer EU-weiten Regelung für ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media Plattformen beteiligen“, sagt Sophia Kircher, Binnenmarkt- und Jugendsprecherin der ÖVP im EU-Parlament. „Österreich gehörte zu den ersten Mitgliedstaaten, die das Thema angegangen sind. Jetzt ist es endlich auf europäischer Ebene ein breites Verständnis“, so Lukas Mandl, Sicherheitssprecher der ÖVP im EU-PArlament.
„Unsere Kinder haben ein Recht auf eine Kindheit und vor allem auf eine geschützte Kindheit. Altersgrenzen sind in vielen Bereichen ein selbstverständliches Mittel, um Minderjährige vor Gefahren zu schützen. Es gibt keinen Grund, warum ausgerechnet die digitale Welt davon ausgenommen sein sollte“, begrüßt auch SPÖ-EU-Abgeordnete Elisabeth Grossmann eine einheitliche europäische Altersgrenze für Social Media. (APA, 17.9.2026)


