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Home » „Eltern sollten bei ihrem ängstlichen Kind Interesse und Neugier wecken.“
Erwachsen werden

„Eltern sollten bei ihrem ängstlichen Kind Interesse und Neugier wecken.“

adminVon adminAugust 10, 2018Aktualisiert:Feber 27, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Martina Leibovici-Mühlberger, Ärztin und Psychotherapeutin, über Ängste vor der Einschulung, Ursachen und Folgen, sowie Unterstützung durch die Eltern.

Welche Herausforderungen bestehen beim Wechsel vom Kindergarten in die Schule?
Martina Leibovici-Mühlberger: Der Schulstart fordert von den Kindern einen Reifungsschritt. Im Alter von sechs Jahren können Kinder hinsichtlich Angst- und Stressmanagment, Impulskontrolle und Fähigkeit zur Selbstorganisation unterschiedlich entwickelt sein. Wenn das Kind in seiner Reifung ensprechend weit fortgeschritten ist, dann kann die Einschulung gut bewältigt werden. Durch das verpflichtende letzte Kindergartenjahr im Vorschulsetting ist der Übergang in die Schule sanfter als früher. Kinder können auch in die Schule schnuppern gehen und so ihre neuen Lehrer und die zukünftigen Klassenkameraden kennenlernen.

Was sind häufigste Gründe für Schulangst?
Die wichtigste Ursache ist eine grundsätzliche negative Einstellung der Schule gegenüber. Diese entwickelt sich vor allem, wenn Eltern ihren Kindern von ihren eigenen schlechten Schulerfahrungen erzählen. Ein weiterer Grund für Schulangst sind Spannungen innerhalb der Familie. Wenn es familiäre Konflikte gibt oder die Eltern sich trennen wollen, dann ist jede weitere Veränderung eine enorme Herausforderung für die kindliche Psyche, die schwer bewältigt werden kann. Ebenfalls problematisch ist, wenn Kinder gerade ein Geschwisterkind bekommen haben und das Gefühl haben, zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen.

Welche Auswirkungen haben Ängste?
Wenn Kinder schon von vornherein Schulangst haben, dann ist ihre Haltung negativ gefärbt, und sie können die Umgebung nur durch diesen Filter wahrnehmen. Die Folgen ist negative Beeinflussung der Kommunikation und der sozialen Kontakte sowie der Aufmerksamkeits- und Leistungsfähigkeit.

Worauf sollten Eltern vor dem Schulstart achten?
Wichtig ist, dass Eltern und auch Großeltern keine negative Erwartungshaltung und Angst vor der Schule bei den Kindern produzieren. Sätze wie „Jetzt fängt der Ernst des Lebens an“ oder „Jetzt musst du stillsitzen“ sind zu vermeiden. Wenn die Schule als großes Monster oder als Ort des Leistungszwangs und der Aussortierung präsentiert wird, an dem das Kind sich zu beweisen hat, dann wird es mit einer sehr negativen Voreinstellung in die Schule kommen. Es wird Angst haben, ob es den Anforderungen entsprechen kann. Diese Haltung von Stress ist einem guten Schulstart sehr abträglich. Eltern sollten möglichst wenig Druck auf ängstliche Kinder ausüben.

Wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, vor dem ersten Schultag und den neuen Klassenkameraden keine Angst zu haben?
Eltern sollten ihre Kinder darauf vorbereiten, dass die Schule ein neuer Lebensabschnitt ist, der viel Freude und neue Möglichkeiten mit sich bringt. Sie können ihren Kindern sagen, dass sie viele neue, spannende Dinge lernen und auch neue Freunde finden werden. Wenn Eltern Neugier und Interesse wecken, dann werden Kinder in der Lage sein, Vorfreude statt Angst vor der Schule entwickeln. Hilfreich ist, die neue Schule im Vorfeld kennenzulernen. Eltern sollten mit Kindern den Schulweg testen und das Schulgebäude umrunden. Für Kinder löst ein großes und für sie sehr unübersichtliches Schulgebäude sonst leicht Fremdheits- und Verlorenheitsgefühle aus. Weiters ist es sehr hilfreich, den neuen Schulalltag mit dem Kind zu besprechen. Wichtig sind gemeinsame Rituale und Fixpunkte, die dem Kind Sicherheit geben, wie ein gemeinsames Frühstück nach dem frühen Aufstehen.

Wie können Eltern bemerken, dass ihr Kind Angst vor der Schule hat, wenn es nichts sagt?
Anzeichen für Ängste sind Einschlaf- und Durchschlafstörungen, körperliche Symptome wie Herzrasen, plötzliches Einnässen, aggressives Verhalten etwa den Geschwisterkindern gegenüber, aber auch eine starke Zurückgezogenheit. Eltern sollten auf Wesensveränderungen ihres Kindes achtgeben.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind vor der Einschulung Trennungsangst entwickelt und nicht in die Schule gehen möchte?
Kinder sollten in dem Alter keine Trennungsangst von den Eltern mehr haben. Trennungsangst ist meist ein Hinweis darauf, dass Kinder auf eine negative Schulerfahrung eingestimmt worden sind. Wenn Kinder äußern, dass sie nicht in die Schule möchten, dann ist es nicht gelungen, Interesse für das Neue zu wecken. Eltern sollten versuchen, dass Kind neugierig auf die Schule zu machen.

Wann ist professionelle Unterstützung notwendig, da die Probleme umfänglicher sind?
Wenn Eltern selbst übermäßigen Stress und Angst vor dem Schulstart erleben und dem Kind so Unsicherheit vermitteln, dann sollten sie Unterstützung durch eine Beratung in Anspruch nehmen. Eltern machen sich oft große Sorgen, ob die Schule die richtige Wahl ist oder ob die Lehrer geeignet sind. Es wird ein großes Schulcasting auf der Suche nach der besten Schule veranstaltet, da sie eine optimale spätere berufliche Laufbahn ihres Kindes im Sinn haben. Diese eigene stressbesetzte Haltung sollte keinesfalls auf das Kind übertragen werden.

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admin

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