Bald beginnt wieder der Schulalltag. Für viele Familien endet damit nicht nur die Ferienzeit, sondern auch ein Alltag, in dem Bildschirmzeiten kaum begrenzt waren. Aus mehr als 1.500 Workshops an Schulen mit über 50.000 Teilnehmenden weiß Florian Buschmann, Gründer der Initiative OFFLINE HELDEN, wie schwer dieser Übergang vielen Familien fällt. „Der Sprung von einem weitgehend unregulierten Konsum zurück in einen getakteten Schulalltag ist für manche Kinder ein kalter Entzug“, sagt er.
Die aktuelle DAK-Mediensucht-Studie zeigt: An schulfreien Tagen verbringen Kinder und Jugendliche rund 490 Minuten täglich vor Bildschirmen – mehr als acht Stunden. Doch mit dem Schulstart muss die Medienzeit wieder mit einem festen Tagesablauf vereinbar sein. Für Buschmann ist deshalb jetzt der richtige Moment, Medienregeln neu zu vereinbaren.
Der schwierige Wechsel zurück in den Schulalltag
Der Wechsel zurück in einen strukturierten Alltag ist für viele Schüler zunächst eine Herausforderung. Wer wochenlang an schnelle und jederzeit verfügbare Reize gewöhnt war, könne den Schulvormittag zunächst als anstrengend erleben, sagt Buschmann. „Viele Eltern beschreiben mir, dass ihr Kind wie ausgewechselt wirkt“, so der Medienexperte. Müdigkeit, Gereiztheit und Konzentrationsprobleme seien in den ersten Tagen deshalb keine Seltenheit. Im ungünstigsten Fall könne dies dazu führen, dass Kinder dem Unterricht fernblieben. In der Regel gehe diese Phase jedoch vorüber, wenn der Alltag schnell wieder eine verlässliche Struktur bekomme.

Warum ein Neustart jetzt leichter gelingt
Gerade deshalb sei der Schulanfang ein guter Moment, um den Alltag neu zu ordnen, ist Buschmann überzeugt. Wenn Stundenplan, Hobbys und Schlafzeiten ohnehin neu festgelegt werden, ließen sich auch Medienregeln leichter etablieren als mitten im laufenden Schuljahr. Sie wirkten dann nicht wie eine Strafe für vergangenes Verhalten, sondern wie ein selbstverständlicher Teil des neuen Schuljahres.
Eine Regel ohne Konsequenz bleibt eine Empfehlung
Entscheidend sei, wie die Regeln vereinbart werden. „Eine Regel ist nur eine Empfehlung, wenn sie keine Konsequenzen hat“, sagt Buschmann. Zu einer Vereinbarung gehörten deshalb immer zwei Dinge: ein klarer Rahmen und eine vorher besprochene Folge, wenn dieser Rahmen überschritten wird.
Wichtig sei, dass Eltern sich anschließend verlässlich daran halten. „Wer die Konsequenz jedes Mal neu verhandelt, macht es sich unfassbar schwer“, so der Experte. Konsequenz bedeute dabei nicht Härte: Es gehe um Verlässlichkeit, nicht um Strenge.
Was Eltern in den kommenden Wochen tun können
Buschmann rät zu drei Schritten. Erstens die Medienzeiten schrittweise herunterfahren, damit der Übergang nicht zum Machtkampf wird. Zweitens gemeinsam feste Bildschirmfenster festlegen und dabei ausdrücklich mitbesprechen, was passiert, wenn sie überzogen werden. Und drittens einen Termin zur Überprüfung setzen. „Spätestens bis zu den Herbstferien zeigt sich, wie es läuft“, sagt der Medienexperte. Dann sollten Eltern ehrlich prüfen: Sind die Vereinbarungen realistisch? Werden sie eingehalten? Geht das Kind verlässlich zur Schule? „Wer erst im Winter merkt, dass etwas kippt, hat oft ein halbes Schuljahr verloren.“
Über Florian Buschmann
Florian Buschmann (Psychologie B.A.) und Mitglied im Fachverband für Medienabhängigkeit. Seit über sieben Jahren ist er in der Prävention und Intervention zum Thema Kinder und digitale Medien aktiv. Mit der von ihm gegründeten Initiative OFFLINE HELDEN erreicht er gemeinsam mit seinem Team jedes Jahr mehr als 13.000 Teilnehmende in über 500 Veranstaltungen. Er begleitet Familien, deren Kinder von einer kritischen oder krankhaften Mediennutzung betroffen sind, gibt ihnen Halt und Stabilität – und trägt so zum Erhalt beziehungsweise zur Wiedergewinnung ihrer psychischen Gesundheit bei.


