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„Mit mir nicht mehr!“ – Wege aus der Gewalt

Häusliche Gewalt ist eine Straftat, die es schon immer gegeben hat. Doch gerade in Zeiten der Corona- Quarantäne ist die Zahl der Gewaltdelikte stark angestiegen. Wie können Frauen sich aus dieser Situation befreien und wer hilft ihnen?

„Bitte hör auf. Bitte nicht mehr!“ Wimmernd versteckt sich Bea hinter der Couch. Doch sie hat keine Chance. Immer wieder schlägt ihr Mann Mark zu. In einiger Entfernung stehen die Kinder, blass vor Verzweiflung und Schock. Es ist nicht das erste Mal, dass sich solch eine Szene in der Familie abspielt. Auslöser dafür finden sich immer: Das Essen hat nicht geschmeckt, Bea war ohne „Erlaubnis“ mit einer Freundin aus, Mark ist schlecht drauf, der Chef hat ihn kritisiert, das Geld ist knapp, er hat wieder einmal getrunken. Oder er schlägt sie einfach so.

Die Gründe für die männliche Gewaltbereitschaft sind vielfältig.

So haben Männer wie Mark nie gelernt, ihre Gefühle zu beherrschen und Konflikte gewaltfrei zu bewältigen. Oft stammen sie selbst aus Familien, in denen Misshandlungen an der Tagesordnung waren, oder sie sind von ihrer Persönlichkeit her aggressiv, dominant und kontrollsüchtig. Manche sind auch sadistisch und weiden sich an der Angst ihrer Opfer. Selbst von Grund auf schwach, genießen sie die Macht über ihre Familie.

Gewalt an Frauen hat viele Gesichter.

Neben der körperlichen und sexuellen Misshandlung existiert noch das weite Feld an psychischer Unterdrückung. Der Mann wertet seine Partnerin ab, beschimpft, demütigt und kontrolliert sie. Es kann auch sein, dass er sie mit unbegründeter Eifersucht oder absurden Vorwürfen quält. Wenn die Frau finanziell von ihm abhängig ist, nutzt ihr Partner das als weiteres Druckmittel. Gleichzeitig verbietet er ihr, arbeiten zu gehen, oder ein eigenes Bankkonto zu haben.

Warum bleiben Frauen in Beziehungen, in denen sie nicht geliebt und geschätzt, sondern geschlagen und seelisch gequält werden?

Barbara Stekl, Lebens- und Sozialberaterin und Juristin: „Betroffene haben meist ein sehr schwaches Selbstwertgefühl. Häufig wurden sie bereits in ihrer Herkunftsfamilie missbraucht und misshandelt. Sie haben nie gelernt, für sich selbst einzustehen und sich zu wehren. Instinktiv wählen sie dann Partner, in denen das alte Familienmuster wiederauflebt. Oft fühlen sie sich sogar schuldig an den Übergriffen, weil ihnen von ihrem Mann eingeredet wurde: „Du hast mich ja provoziert.“ Sie schämen sich und schweigen meist jahrelang über das, was ihnen an Grausamkeiten widerfährt. Das geht so weit, dass Verletzungen im Spital auf Grund eines Sturzes oder anderer Ursachen erklärt wird.“

Was können Sie als betroffene Frau tun?

Ein erster Schritt ist die Erkenntnis, dass Sie an den Gewalttätigkeiten nicht schuld sind! Es liegt einzig und alleine in der Verantwortung des Täters, dass er mit seinen Aggressionen nicht umgehen kann. Expertin Stekl rät misshandelten Frauen, dass Sie sich Freundinnen oder Familienmitgliedern anvertrauen, von denen Sie sicher sind, dass ihnen Ihr Wohlergehen am Herzen liegt. Es braucht viel Mut, dieses lange Schweigen zu durchbrechen. Aber es ist absolut nötig, um sich die Unterstützung von Verbündeten zu holen.

Zögern Sie in Akutsituationen nicht, die Polizei zu holen. Speichern Sie den Polizeinotruf und sämtliche andere Notfallkontakte für den Ernstfall ein. Denn in der Aufregung kann es unter Umständen schwierig sein, eine Nummer zu tippen. Die Polizei hat auch die Möglichkeit, den Gewalttäter sofort aus der Wohnung zu weisen. Informieren Sie nach Möglichkeit auch die Nachbarn. Stekl: „Schreien Sie laut um Hilfe. Und scheuen Sie nicht davor zurück, sich professionelle Unterstützung zu holen. Der Weg in eine Beratungsstelle bietet die Chance, Sicherheit, Verständnis und ganz pragmatische Auswege – wie zum Beispiel die Übersiedlung in ein Frauenhaus – zu finden.“

Jede körperliche oder psychische Gewalt gegen Frauen ist eine kriminelle Tat. Sagen Sie sich als Betroffene: „Ich bin es wert, gut behandelt zu werden. Jetzt und immer! Und ich werde dafür sorgen, dass mir niemand mehr weh tut!“

Bea hat mit Hilfe einer Therapeutin endlich die Kraft gefunden, ihren Mann Mark zu verlassen. Sie lebt jetzt mit einem Partner, der sie und die Kinder liebevoll umsorgt.

RAT UND HILFE
• Polizei 133 oder 112
• SMS Polizei 0800 133 133
• Frauen – Helpline 24h: 0800 222 555
• 24-Stunden-Frauennotruf: 01 71 71 9
• Frauenhäuser Notruf 24 h: 05 77 22
• Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt www.interventionsstelle-wien.at

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