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Home » „Noch immer tragen 70 Prozent der Frauen die Hauptlast. Eigentlich ein untragbarer Zustand.“
Familienzeit

„Noch immer tragen 70 Prozent der Frauen die Hauptlast. Eigentlich ein untragbarer Zustand.“

Susanna SklenarVon Susanna SklenarJuli 22, 2018Aktualisiert:April 7, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Die Vereinbarkeit von Job und Familie sowie speziell der Wiedereinstieg sind heikle Themen in weiblichen Berufsbiografien: Von deren Gelingen oder Scheitern hängt die Jobkarriere ab.

Martha Schultz, Vizepräsidentin der WKÖ, Vorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“ sowie selbst Mutter und erfolgreiche Unternehmerin, gibt im Interview Tipps, wie Frauen diese Herausforderung meistern könne. Und macht deutlich, was politisch und seitens der Unternehmen zu tun ist.

Die Vereinbarkeit von Job und Familie ist nach wie vor ein großes Thema für Österreichs Mütter. Wie sieht die Situation aktuell aus – sind wir schon nah dran an „halbe-halbe“?
Martha Schultz: Nein, leider weit entfernt. Für Mütter in Österreich ist es nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Unsere Studie zeigt, dass die Hauptlast bei Vereinbarkeit von Job und Familie immer noch bei den Frauen liegt – und zwar zu mehr als 70 Prozent. Die gleiche Zahl ergibt sich übrigens aus den Befragungen  der Männer. Eigentlich ein untragbarer Zustand, unter dem viele leiden: Rund 42 Prozent der Frauen fühlen sich durch die Mehrfachbelastung beeinträchtigt, so die Studie. Väterkarenz ist gut, heißt aber nicht, dass die Väter zuhause bei den Kindern sitzen, sie müssten auch die ganze Arbeit rundum übernehmen.

Für viele Frauen ist vor allem der Wiedereinstieg ins Berufsleben eine große Hürde – und oft der Beginn einer Zerreißprobe zwischen Job, Kind und Partner. Wie kann der Wiedereinstieg gelingen, und was können Frauen vorab tun?
Kontakthalten auch in der Elternkarenz ist ein ganz wichtiges Thema. Wer am Laufenden bleibt, tut sich beim Wiedereinstieg sicherlich leichter. Am zielführendsten ist es für beide Seiten – für die Mitarbeiterin ebenso wie fürs Unternehmen –, wenn noch vor Antritt der Karenz die konkreten Maßnahmen abgesprochen werden: Diese können von der laufenden Zusendung von wichtigen betriebsinternen Informationen und der Teilnahme an Veranstaltungen über die Nutzung bestimmter Weiterbildungsangebote (z. B. E-Learning, Seminare, Fortbildungskurse etwa bei Wifi oder „Frau in der Wirtschaft“, hier gibt es immer auch eine Kinderbetreuung) bis hin zur Möglichkeit der Aushilfs- und Vertretungstätigkeit oder Übernahme kleinerer Projekte reichen. Auch sollten schon frühzeitig die Art und das notwendige Ausmaß der Kinderbetreuung thematisiert und organisiert werden. Vor allem in kleineren Unternehmen ohne betriebseigenen oder nahen Kindergartens ist das ein wesentlicher Punkt.

Was kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein?
Hier sind neben frühzeitiger Planung und Organisation insbesondere Netzwerke das Um und Auf. Frauen sollten sich mit anderen Frauen, konkret also berufstätige Mütter mit Müttern, vernetzen. Sie können sich dann im Alltag gezielt unterstützen – zum Beispiel bei akuten Problemen oder in besonderen Situationen, wenn z. B. ein Kind nach dem anderen Schafblattern bekommt. Seitens vieler Unternehmen, aber auch Institutionen wie z. B. FiW wird in Bezug auf Wiedereinstieg und Vereinbarkeit ebenfalls ein regelmäßiger positiver Austausch gefördert, bei dem ältere Frauen den jüngeren aufgrund ihrer Erfahrungen Tipps geben können. Gemeinsam geht’s immer leichter.

Welche Maßnahmen in Bezug auf Vereinbarkeit sind von politischer Seite her noch erforderlich?
Die Kleinkindbetreuung muss bis ins kleinste Dorf Österreichs funktionieren. Und es braucht eine Nachmittagsbetreuung bis Ende des Pflichtschulalters. Im ländlichen Raum, wo ich zuhause bin, ist es heute schwierig, für Volksschulkinder eine qualitativ gute Betreuung zu finden. Eine solche müsste nicht immer gratis sein, aber einkommensabhängig. Die Art der Kinderbetreuung muss an die Familien- und Arbeitsmarktbedürfnisse angepasst sein. Ich fordere hier eine Wochenöffnungszeit von 50 Stunden und eine Schließzeit von max. drei Wochen im Jahr.

Was könnte Unternehmen helfen, um familienfreundlicher zu agieren?
Vor allem KMU benötigen mehr Erleichterungen, um ihre Mitarbeiterinnen adäquat zu unterstützen. Da wären etwa Boni anzudenken – wer etwas in diesem Bereich tut, bekommt eine Steuererleichterung. Gleichzeitig braucht es flexiblere Arbeitszeitmodelle. Und es erfordert Möglichkeiten, dass sich Unternehmen z. B. zusammentun, um Tageseltern oder übergreifende Kinderbetreung anzubieten. Erfolgreiche Modelle gibt es ja, etwa in Skandinavien. Bei uns scheitern solche Ansätze oft an den bürokratischen Hürden, Zuständigkeiten und Auflagen. Denn Kinderbetreuung ist in Österreich Landessache, und da gibt es dann neun verschiedene Gesetzeslagen und Anforderungen.

„In der Karenz sollten Frauen sich nicht abkapseln, sondern weiterhin am Laufenden bleiben.“

Martha Schultz
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Susanna Sklenar

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