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Home » Rat auf Draht: Schulverweigerung – Teenager besonders betroffen
Bildung

Rat auf Draht: Schulverweigerung – Teenager besonders betroffen

Christian NeuholdVon Christian NeuholdJuni 3, 2026Aktualisiert:Juni 3, 20265 Minuten Lesezeit
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Schulverweigerung: Mobbing und Ausgrenzung ist der Hauptgrund, warum besonders Teenager oft den Schulbesuch verweigern.

Das Schuljahr steckt in seiner finalen Phase. Die letzten Prüfungen, Schularbeiten oder die mündliche Matura stehen an. Während viele Eltern mit dem Leistungsniveau oder dem Lernstress ihrer Kinder beschäftigt sind, treibt andere ein weiteres Problem um: Ihr Nachwuchs weigert sich, die Schule zu besuchen. Eine Situation, die nicht nur für die Schüler:innen sehr belastend ist, sondern auch bei deren Eltern Druck erzeugt und eine gewisse Ohnmacht auslöst.

Tatsächlich bleibt die Schulverweigerung eines der Top-Beratungsthemen von elternseite.at, dem Beratungsangebot für Eltern und Bezugspersonen von Rat auf Draht. So wurden im Jahr 2025 insgesamt 77 Beratungen zu diesem Thema geführt (2024: 93). Im ersten Quartal 2026 waren es bereits 27 Gespräche. Auch bei den Kindern und Jugendlichen selbst, ist Schulverweigerung ein Thema. So stiegen die Beratungsgespräche auf der Notrufnummer 147 im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr von 83 auf 98 an – ein Plus von 18 Prozent. 

Vielfältige Gründe

„Die Gründe, weshalb sich Kinder weigern, in die Schule zu gehen, sind sehr unterschiedlich“, erklärt Barbara Binder, Psychotherapeutin und Beraterin bei elternseite.at. Hier ein Auszug, welche Gründe Eltern, Kinder und Jugendliche in den Beratungen häufig nennen: 

  • Mobbing und Ausgrenzung: Jugendliche, die in der Schule gemobbt werden oder sich ausgegrenzt fühlen – der häufigste genannte Grund, weshalb Kinder die Schule verweigern                                               
  • Leistungsdruck und Überforderung: Jugendliche fühlen sich durch hohe Erwartungen von Lehrer:innen, Eltern oder sich selbst überfordert 
  • psychische Belastungen: Depressionen, Angstzustände oder andere psychische Erkrankungen, soziale Ängste (Schüchternheit, Scham, Verlegenheit) 
  • Probleme im Elternhaus: Familiäre Konflikte, Scheidung, Gewalt oder Vernachlässigung können die Motivation zum Schulbesuch stark beeinflussen
  • belastende Lebensereignisse: Trennungserfahrungen, Erkrankung oder Verlust von Bezugspersonen, Verlust eines geliebten Tieres, Krankenhausaufenthalte, Umzug, etc
  • überbehütendes Erziehungsverhalten der Eltern oder ungenügende elterliche Kontrolle des Schulbesuchs bzw. Vernachlässigung
  • mangelndes Interesse und fehlende Motivation: manche Jugendliche sehen keinen Sinn in der Schule oder sind mit dem Lehrstoff und der Unterrichtsform unzufrieden
  • schlechte Beziehungsstrukturen zwischen Schüler:innen und Lehrer:innen: Konflikte mit Lehrkräften oder das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden
  • negative Erfahrungen mit dem Schulsystem: ungerechte Behandlung oder fehlende individuelle Förderung
  • Lernschwierigkeiten oder Teilleistungsstörungen

„Wir ergründen in den Gesprächen, egal ob es sich nun um Eltern oder die Kinder und Jugendlichen selbst handelt, gemeinsam die Ursachen und bieten Ideen für Handlungsmöglichkeiten an“, so Birgit Satke, Leiterin des Beratungsteams von Rat auf Draht. Dass Kinder manchmal keine Lust auf Schule hätten, sei völlig normal, beruhigt Binder: „Diese gelegentliche Unlust kennen wir von uns selbst. Eltern sollten hellhörig werden, wenn sich das Kind regelmäßig oder länger andauernd weigert, in die Schule zu gehen. Eine Schulverweigerung tritt nicht plötzlich auf, sondern eher schleichend und schrittweise. Die Grenzen sind oft fließend“.

© Shutterstock

Besonders Teenager betroffen

Wie aus den Beratungen beider Angebote hervorgeht, sind besonders Kinder im Teenageralter betroffen. So ging es im Großteil der 2025 auf elternseite.at geführten Beratungen (61) um junge Menschen im Alter von elf bis 18 Jahren. Die Notrufnummer verzeichnete die meisten Beratungen in der Altersgruppe der 15-18-Jährigen (10) und der 11–14-Jährigen (8), gefolgt von den 19–24-Jährigen mit 3 Beratungen. Überraschend ist, dass auf der 147 der Großteil der Beratungen auf Erwachsene entfällt (76), davon waren 28 Beratungen über die Hotline für Schulpsychologie, die Rat auf Draht seit einigen Jahren betreibt. 

Unterschiede gibt es beim Geschlecht: Während in den Elternberatungen 2025 meist über Jungen (50 Beratungen, 25 Mädchen, 2 keine Angabe) gesprochen wurde entfallen auf der Notrufnummer 147 81 Gespräche auf weibliche Anrufer:innen, 16 auf männliche und einer auf unbekannt. 

Wie Eltern reagieren können

Die Expert:innen von Rat auf Draht raten dazu, sich in die Situation des Kindes hineinzuversetzen, Verständnis zu zeigen und Unterstützung zum gemeinsamen Lösen des Problems anzubieten. Vorwürfe sind nicht angebracht, denn für die Kinder selbst ist der Leidensdruck oft sehr stark. Auch ein Austausch mit dem Umfeld des Kindes und den Lehrkräften ist sinnvoll. Außerdem sollten Eltern ihr eigenes Verhalten kritisch hinterfragen, etwa ob sie einen zu hohen Leistungsdruck machen. „Am wichtigsten ist, an einem Strang zu ziehen und mit dem Kind zusammenzuarbeiten, um die Schulverweigerung zu lösen. Dafür benötigt es den Austausch mit der Schule“, so Binder. Wehrt sich das Kind auf Dauer heftig gegen die Schule, sollte zusätzlich professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden, rät die Expertin. Ein Gespräch über die aktuelle Situation kann bereits erste Entlastung bringen: Beratungstermine sind jederzeit unter: elternseite.at buchbar. Zudem bietet elternseite.at in Kooperation mit dem Bildungsministerium (BMBWF) eine eigene Beratung zu Schulthemen an (elternseite.at/de/beratung-schulthemen). In Zusammenarbeit mit ebendiesem Ministerium betreibt Rat auf Draht zudem die Hotline für Schulpsychologie, die Kindern, Eltern und Pädagog:innen unter 0800 211 320 rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Kinder haben Recht auf Schule/Bildung

Doch Schulverweigerung ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern auch ein gesellschaftliches. Denn: Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung – festgeschrieben in der UN-Kinderrechtskonvention und somit auch in Österreich verbindlich. Dieses Recht ist ein zentrales Fundament für die Entwicklung junger Menschen und die Grundlage für ihre gesellschaftliche Teilhabe. Gerade in Zeiten, in denen Schulverweigerung zunimmt, ist es wichtiger denn je, die Kinderrechte in den Fokus der öffentlichen Diskussion zu rücken. Mit dem Projekt #starkfürkinderrechte setzt sich Rat auf Draht dafür ein, diese Rechte bekannt zu machen, zu stärken und die Öffentlichkeit für die vielfältigen Anliegen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren. Das Projekt versteht sich als Anlaufstelle für Information, Austausch und Unterstützung rund um das Thema Kinderrechte: www.elternseite.at/kinderrechte

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Christian Neuhold

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