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Home » Wissen über biologische Mutter verbessert Beziehungen in Adoptivfamilien
Erwachsen werden

Wissen über biologische Mutter verbessert Beziehungen in Adoptivfamilien

adminVon adminJuni 1, 2021Aktualisiert:Feber 26, 20263 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Seit 20 Jahren gibt es die Möglichkeit zur „Anonymen Geburt“ in Österreich.Eine aktuelle Studie zeigt, dass mehr Wissen, ein höheres Alter der Adoptiveltern, ein junges Alter und wenig psychische Auffälligkeiten der Adoptivkinder einen positiven Effekt auf die beziehungen in der Adoptivfamilie haben.

Im Mai 2001, also vor zwanzig Jahren, wurde das erste Kind anonym in Österreich geboren. Seither kann in allen geburtshilflichen Abteilungen ein Kind ohne Angabe der Identität und kostenfrei zur Welt gebracht werden. Zwischen 2001 und 2019 gab es insgesamt 606 anonyme Geburten, wovon 28 im Jahr 2019 erfolgten und zusätzlich 2 Abgaben in „Babyklappen“, von denen es laut Statistik Austria aktuell sechzehn bundesweit gibt.

Dank der Option der anonymen Geburt ging die Zahl der in Babyklappen abgegebenen Säuglinge deutlich zurück, ebenso wie die Zahl der Neugeborenen-Tötungen. Anonym geborene Kinder werden so rasch wie möglich in Adoptivfamilien untergebracht, welche wiederum darauf vorbereitet werden, altersadäquat mit den Kindern über deren Adoptionsumstände zu sprechen. Hierbei können Angaben über Informationen über die biologische Mutter hilfreich sein, weshalb die abgebenden Frauen eingeladen werden, Informationen über sich und die Umstände der anonymen Geburt für das Kind zu hinterlassen (Details: www.anonymegeburt.at).

In mehreren Studien untersuchte die Kinder und Jugendpsychiaterin Claudia Klier von der MedUniWien verschiedene Aspekte des Spannungsfeldes zwischen dem Recht der biologischen Mutter auf Anonymität und dem Recht der Kinder auf das Wissen um ihre Herkunft. Gemeinsam mit der Klinischen Psychologin Anna Felnhofer erforscht sie derzeit die Auswirkungen der anonymen Geburt auf die Kinder. In der ersten dazugehörigen Studie vom Dezember 2020 wurden 97 Adoptiveltern zur Gesundheit ihrer adoptierten Kinder befragt. Es zeigte sich, dass die anonym geborenen Kinder mehrheitlich gut entwickelt waren und kaum psychische Auffälligkeiten im Vergleich mit der Norm hatten.

Für die daran anknüpfende, aktuelle Studie wurden abermals Adoptiveltern von Kindern im Alter von einem bis achtzehn Jahren befragt. Der Fokus lag dabei auf der Qualität der elterlichen Beziehung und hierbei vor allem auf dem „Dyadic Coping“, welches die Fähigkeit der elterlichen Stressbewältigung umfasst. Hintergrund ist die Annahme, dass Adoptiveltern mehr Stressfaktoren ausgesetzt sind als leibliche Eltern. Dabei wurden kaum Unterschiede zwischen Adoptivmüttern und -vätern festgestellt.

Tendenziell schätzten Mütter ihre Ängstlichkeit höher ein als Väter, zugleich bewerteten sie jedoch ihre Stressbewältigung als besser. Informationen über die anonym gebärende Frau in Form von biographischen Angaben, Briefen, Hinweisen auf medizinische Probleme, Fotos oder Spielsachen etc. waren wenig vorhanden. Hinweise über den Grund der Abgabe lagen nur in der Hälfte der Fälle vor, Briefe der biologischen Mutter besaßen 35 Prozent der Adoptiveltern. Angaben zum biologischen Vater waren noch seltener verfügbar. Außerdem erhoben Felnhofer und Klier, welche Prädiktoren entscheidend für die Beziehungsqualität sind. Identifiziert wurden hier die psychische Gesundheit des Kindes, das Alter der Adoptiv-eltern, jenes der Kinder und das Vorliegen von Informationen zur biologischen Mutter.

Felnhofer: „Je besser es dem Kind geht, desto besser geht es auch den Eltern und umgekehrt. Ältere Adoptiveltern scheinen besser mit Stress umgehen zu können als jüngere, und ebenso ist das ‚Dyadic Coping‘ der Adoptiveltern besser, je jünger die Adoptivkinder sind. Je mehr Information darüber hinaus zur abgebenden Frau vorhanden ist, desto entlasteter sind die Adoptiveltern“. Klier ergänzt: „Das Wissen um die biologischen Wurzeln ist ein wichtiger Faktor und eine Verbesserung der Durchführung der anonymen Geburt sollte hier ansetzen, indem den abgebenden Frauen die Wichtigkeit des Hinterlassens nicht identifizierbarer Informationen nähergebracht wird. Ähnlich wie in Frankreich könnte eine unabhängige Stelle geschaffen werden, die Informationen auch viele Jahre nach der Geburt von beiden Seiten entgegennimmt und es bei Wunsch beider Seiten zur Kontaktaufnahme kommen kann“.

Hier finden Sie die Originalstudie:

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