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Home » Wunsch und Wirklichkeit: Familienplanung weltweit unter Druck
Familienzeit

Wunsch und Wirklichkeit: Familienplanung weltweit unter Druck

Christian NeuholdVon Christian NeuholdAugust 25, 20264 Minuten Lesezeit
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Neue Umfrage zeigt: Junge Menschen können ihren Kinderwunsch nicht realisieren.

In fünf von sieben Weltregionen gelten zwei Kinder als die ideale Familiengröße – doch bei einer großen Mehrheit der Menschen entspricht dies nicht der realisierten Kinderzahl. Zum Weltbevölkerungstag am 11. Juli veröffentlicht der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) die neue Studie “Lives, Choices and Futures – What young people want and what shapes their decisions about relationships and parenthood” (Leben, Entscheidungen und Zukunft – Was junge Menschen sich wünschen und was ihre Entscheidungen in Bezug auf Beziehungen und Elternschaft beeinflusst), die zeigt, dass die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen viele junge Menschen davon abhalten, ihre Familienpläne zu verwirklichen. Im Rahmen der “Demographic Futures”-Umfrage wurden in 73 Ländern über 100.000 internetnutzende Menschen zwischen 18 und 39 Jahren befragt. „Die Ergebnisse deuten
auf eine Kluft zwischen den Erwartungen und den wahrgenommenen Möglichkeiten hin“, so UNFPA-Exekutivdirektorin Diene Keita im Vorwort zur Studie. Als Voraussetzung für Elternschaft nennen 88 Prozent der Befragten finanzielle Sicherheit, 87 Prozent sichere Beschäftigung und 85
Prozent emotionale Bereitschaft.

Elternschaft für junge Menschen auch in Europa nicht ideal

Diese Voraussetzungen sehen offenbar auch in Deutschland die wenigsten erfüllt. Aktuelle Auswertungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis des familiendemografischen Panels FReDA belegen: Die Geburtenrate ist zwischen 2021 und 2024 von 1,58 auf 1,35 Kinder pro Frau gesunken, während der Kinderwunsch im gleichen Zeitraum stabil blieb. Frauen wünschen sich im Schnitt 1,76, Männer 1,74 Kinder; die als ideal angesehene Kinderzahl liegt bei rund 2,2 Kindern. Der sogenannte „Fertility Gap“ – die Differenz zwischen Kinderwunsch und tatsächlicher Geburtenrate – hat sich bei Frauen im angegebenen Zeitraum von 0,18 auf 0,41 mehr als verdoppelt. Die Rahmenbedingungen machen es für junge Menschen schwierig, ihre gewünschte Kinderzahl zu verwirklichen – und das gilt global. „In Ländern des Globalen Nordens wie Deutschland sind verlässliche Kinderbetreuung, bezahlbarer Wohnraum und eine bessere Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit dabei ebenso entscheidend, wie die
stärkere Beteiligung von Vätern an der Sorgearbeit“, sagt Prof. Dr. C. Katharina Spieß, Direktorin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.

© Shutterstock

44 Prozent aller Frauen können nicht über Kinderwunsch entscheiden

In anderen Weltregionen bekommen junge Frauen zu früh und mehr Kinder, als sie sich selbst wünschen. Laut UNFPA haben weltweit 44 Prozent aller Frauen und Mädchen keine Entscheidungsgewalt über ihre sexuellen Beziehungen, Verhütung oder reproduktive Gesundheitsversorgung. Fehlende Sexualaufklärung und mangelnder Zugang zu Verhütungsmitteln führen dazu, dass viele Mädchen und junge Frauen unbeabsichtigt und oft schon im Teenageralter schwanger werden. „Nur wer aufgeklärt ist, kann informierte Entscheidungen über Sexualität und Kinderwunsch treffen“, erklärt Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. “In Afrika wächst derzeit die größte Jugendgeneration aller Zeiten heran: Drei von fünf Menschen auf dem Kontinent sind jünger als 25 Jahre alt. Es ist wichtig, ihre Wünsche und Bedarfe genau zu kennen und daraus passgenaue Angebote zu entwickeln, denn von diesen jungen Menschen und ihren Perspektiven wird abhängen, wie der Kontinent sich in den nächsten Jahrzehnten entwickelt.”

Die Gleichberechtigung von Frauen sei nicht nur für eine nachhaltige Bevölkerungsentwicklung in Subsahara-Afrika zentral, betont Angela Bähr, Vorständin Programme der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW): „Nur wenn Mädchen und Frauen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Arbeit und Gesundheitsversorgung haben, können sie ein selbstbestimmteres Leben führen, nicht zuletzt in Sachen Sexualität, Verhütung und Familienplanung.“ Die Frauen in die Lage zu versetzen, selbst zu entscheiden, ob und wie viele Kinder sie bekommen, ist der Schlüssel für eine nachhaltige demografische Entwicklung. Daher sei es die oberste Aufgabe der Politik, in die Förderung der jungen Menschen sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden zu investieren, fordert Angela Bähr. „Dazu gehört die entsprechende Ausbildung, die Bereitstellung einer jugendfreundlichen Gesundheitsversorgung und die Geschlechtergleichstellung.“

Originalpublikation: Lives, Choices and Futures – What young people want and what shapes their decisions about relationships and parenthood. Findings from the Demographic Futures Survey 2026. Demographic Futures Survey 2026 [https://www.unfpa.org/publications/lives-choices-and-futures-demographic-futures… / 07.07.2026] Eine nicht repräsenatative Umfrage unter 109.000 internetnutzende Menschen zwischen 18 und 39 Jahren

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Christian Neuhold

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