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Home » Wenn Gefühle stecken bleiben – Kinder liebevolldurch innere Konflikte führen
Erwachsen werden

Wenn Gefühle stecken bleiben – Kinder liebevolldurch innere Konflikte führen

Christian NeuholdVon Christian NeuholdJuli 17, 20265 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
© Shutterstock
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Innere Kämpfe entstehen bei Kindern selten durch ein einzelnes Ereignis. Viel häufiger
geraten sie in ein Spannungsfeld aus Eindrücken, Erwartungen und inneren Bildern. Kinder
entwickeln früh ein Gefühl dafür, wie die Welt funktionieren sollte – und wenn ihre
Erfahrungen diesem inneren Kompass widersprechen, entsteht ein Riss zwischen dem, was
sie fühlen, und dem, was sie glauben, leisten zu müssen. Ein Kind möchte Nähe, bekommt
aber Distanz. Es möchte selbstständig sein, erlebt aber zu enge Vorgaben. Es will
dazugehören und merkt gleichzeitig, dass etwas in ihm nicht mit dem Außen mitkommt.

Von Stefanie Pfennig

Diese innere Diskrepanz zeigt sich oft leise: ein Zögern, das vorher nicht da war, ein
Rückzug aus Situationen, die sonst Freude bereitet haben, eine Müdigkeit, die nicht
körperlich erklärbar ist. Manche wirken übertrieben fröhlich, um Unsicherheit zu überdecken.
Wieder andere flüchten in Fantasiewelten oder entwickeln eine besondere Wachsamkeit, als
müssten sie jede Regung im Umfeld kontrollieren. Manchmal äußert sich der innere Druck
aber auch laut – in plötzlichen Wutausbrüchen oder scheinbar grundlosen Tränen.
Diese Ausdrucksformen sind keine „Probleme“, sondern Botschaften. Sie zeigen, dass ein
Kind versucht, innere Ordnung herzustellen – und dabei an Grenzen stößt, die es nicht allein
überwinden kann.

Blockaden entstehen dort, wo Bedürfnisse auf Druck treffen

Viele Eltern wollen helfen und greifen deshalb schnell zu Erklärungen: “Es ist doch alles
gut”, “Du brauchst doch keine Angst zu haben”,”Reiß dich zusammen”. Gemeint ist das oft
liebevoll, doch beim Kind kommt an: “Du darfst dein Gefühl gerade nicht so ernst nehmen.“
Für ein emotional blockiertes Kind ist das zusätzliche Unsicherheit. Ich habe in meiner Arbeit
unzählige Situationen erlebt, in denen Kinder nicht an ihren Gefühlen scheiterten, sondern
an der Angst, mit ihnen allein zu sein.
In solchen Situationen gilt es, erst einmal zu entschleunigen. Wenn ein Kind in Aufregung
gerät, ist der Zugang zur Sprache oft eingeschränkt. Dann helfen keine langen Gespräche,
sondern einfache, ruhige und klare Schritte. Eltern können zum Beispiel sagen:
● “Ich bleibe jetzt bei dir.”
● “Wir müssen gerade nichts entscheiden.”
● “Erst beruhigen wir uns, dann schauen wir weiter.”
● “Ich sehe, dass dich das gerade überfordert.”
Solche Formulierungen geben dem Kind Orientierung und entlasten sein Nervensystem. Ein
Kind, das emotional feststeckt, kann oft besser regulieren, wenn der Körper einen neuen
Impuls bekommt. Ein langsamer Gang durch den Raum, ein Wechsel vom Stehen ins Sitzen
oder ein Schritt ans offene Fenster verändert die sensorische Umgebung und erleichtert
dem Gehirn den Übergang aus der Überforderung.
Kinder profitieren enorm davon, wenn Erwachsene ihre eigene Atmung bewusst regulieren.
Ein ruhiger Atemrhythmus wirkt wie ein Co-Regulationssignal. Eltern können innerlich zählen – vier Sekunden einatmen, sechs Sekunden ausatmen. Sie müssen das nicht
kommentieren. Kinder orientieren sich automatisch an der ruhigeren Frequenz.

© Shutterstock

Kleine Entscheidungen geben ein Stück Selbstwirksamkeit
zurück

Ein Kind, das sich innerlich blockiert fühlt, erlebt oft auch einen Verlust von Kontrolle.
Deshalb ist es so wichtig, ihm im Alltag kleine Wahlmöglichkeiten zu geben. Das bedeutet
nicht, dem Kind alles zu überlassen. Es geht um überschaubare Entscheidungen, die
Sicherheit und Selbstwirksamkeit zugleich ermöglichen.
● Statt zu sagen: “Zieh endlich etwas an”, kann man fragen: “Möchtest du das rote
oder das blaue T-Shirt?”
● Statt: “Jetzt kommst du sofort mit”, kann man sagen: “Willst du selbst laufen oder soll
ich dich ein Stück tragen?”
● Statt: “Du musst jetzt schlafen”, kann man anbieten: “Möchtest du noch fünf Minuten
lesen oder direkt das Licht ausmachen?”
Diese kleinen Wahlmöglichkeiten helfen dem Kind, wieder in Kontakt mit sich selbst zu
kommen. In meiner Praxis habe ich immer wieder gesehen, wie Kinder aufblühen, wenn sie
spüren, dass sie Einfluss haben. Derartige Beziehungsgesten zeigen dem Kind, dass es
nicht nur Objekt von Entscheidungen ist, sondern Subjekt seines eigenen Erlebens.

Heilung wächst im Alltag, nicht im Ausnahmefall

Emotionale Blockaden verändern sich durch viele kleine Erfahrungen von Verlässlichkeit.
Ein klarer Übergang zwischen Aktivitäten – etwa ein bewusst gestalteter Wechsel vom
Spielen zum Essen – hilft dem Kind, innere und äußere Abläufe miteinander zu verbinden.
Ein Kind, das immer wieder erlebt, dass Erwachsene ruhig bleiben, Gefühle benennen und
Grenzen freundlich halten, entwickelt nach und nach innere Sicherheit.
Begleitung heißt, dem Kind Zeit zu lassen, bis es Worte für das findet, was in ihm vorgeht.
Jedes Kind entwickelt sich dabei in seinem eigenen Tempo. Manche finden früh Worte für
ihre Gefühle, andere brauchen länger, um innere Prozesse zu verstehen oder neue
Entwicklungsschritte zu gehen. Kinder dort abzuholen, wo sie gerade stehen, bedeutet, sie
nicht zu drängen, sondern ihnen die Zeit zu geben, die sie für ihre persönliche Entfaltung
benötigen. Entwicklung lässt sich nicht erzwingen – sie entsteht aus Sicherheit und
Vertrauen. Dazu gehört auch, Spannung gemeinsam auszuhalten. So entsteht für das Kind
der Raum, innere Klarheit zu entwickeln — nicht mit dem Ziel, zu funktionieren, sondern um
wachsen zu dürfen.

Über die Autorin:

Stefanie Pfennig ist Heilmeditationstrainerin, examinierte Tagespflegeperson und Expertin
für innere Heilung. Ihre Arbeit basiert auf persönlichen Erfahrungen, die sie heute in eine
authentische und tiefgehende Begleitung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene übersetzt.
Als Musikcoach nutzt sie zudem die Kraft von Stimme und Klang, um emotionale Prozesse
zu unterstützen und innere Stabilität zu fördern. Unter dem Namen Heilmeditation Pfennig
begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu mehr Klarheit und Selbstverbundenheit und hat
ihre Themen bereits beim WDR und NDR vorgestellt.

© Andreas Leber

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Christian Neuhold

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